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06.11.2017

Die Weite der katholischen Kirche erfahren

Ein eritreischer Flüchtling wurde zum katholischen Priester geweiht

Bischof Kidane Yebio (m.) aus Eritrea legt dem Neupriester die Hand auf. Weihbischof Thomas Löhr (r.) feierte den Gottesdienst mit. Die Priesterweihe war für die muttersprachliche Gemeinde ein besonderer Festtag. Foto: clm/Bistum Limburg.

FRANKFURT.- Afrikanische Rhythmen, orientalische Gesänge - vor allem aber große Freude: Am Samstag, 4. November, ist Medhanie Uqbamichael Yohannes durch Handauflegung und Gebet zum Priester geweiht worden. Bischof Kidane Yebio, Bischof der eritreischen Diözese Keren, stand der Priesterweihe in St. Hedwig in Frankfurt-Griesheim vor. An der Feier nahmen auch der Limburger Weihbischof Dr. Thomas Löhr, der emeritierte Abt des Klosters Neuburg bei Heidelberg, Franziskus von Heereman, und der stellvertretende Stadtdekan von Frankfurt, Pfarrer Rolf Glaser, teil.

"Wir atmen heute die Größe und Weite der katholischen Kirche, die auf der ganzen Erde Gott preist", fasste Weihbischof Thomas Löhr die freudige und internationale Stimmung während des Gottesdienstes zusammen. Das Bistum Limburg werde den Neupriester auch künftig in seiner Ausbildung und in der Ausübung seines Dienstes unterstützen. Mit der Priesterweihe sei Medhanie Uqbamichael Yohannes nicht nur Priester der Diözese Keren in Eritrea geworden, sondern auch Mitbruder für alle Priester im Bistum Limburg. Er gehöre auch zum Presbyterium des Bistums Limburg.

Zeichen gegen Fremdenhass und Ausgrenzung

Löhr wandte sich in seinem Grußwort auch an die katholischen Christen in Eritrea, die wegen ihres Glaubens Unterdrückung und Benachteiligung in Kauf nehmen müssten. "Mit großer Anerkennung und Respekt schauen wir auf die katholische Kirche und das treue Zeugnis des Glaubens in Eritrea", sagte Löhr. Zugleich sicherte der Weihbischof eritreischen Geflüchteten weiter die Unterstützung und Solidarität des Bistums zu. "Wir wollen als Bistum das tun, was wir können, um denen zu helfen, die jetzt auf dem Weg sind."

"Es ist eine große Freude für uns, dass ein junger Mann, der mit uns gelebt hat, hier seine Priesterweihe empfängt", sagte der stellvertretende Stadtdekan von Frankfurt und Pfarrer von St. Hedwig Rolf Glaser. Mit der Priesterweihe setze die katholische Kirche ein Zeichen gegen Fremdenhass und Diskriminierung.

Priester soll nicht Herrscher, sondern gutes Vorbild sein

Die Priesterweihe wurde im orientalischen Ge'ez-Ritus gefeiert, der sich stark von römisch-katholischen Gottesdiensten unterscheidet. Die mehreren hundert Gottesdienstbesucher, darunter Eritreer aus allen Teilen von Deutschland, beteten für den Neupriester und seinen künftigen Dienst. Der Priester soll nicht Herrscher, sondern gutes Beispiel und Vorbild sein, heißt es im Weihegebet. Während der Weiheliturgie legte der eritreische Bischof dem Neupriester die Hand auf und hauchte ihn an. Beide Handlungen sollen verdeutlichen, dass der Neupriester durch die Weihe die Gaben des Heiligen Geistes empfängt. Außerdem überreichte der Bischof dem Neupriester ein Priestergewand und segnete die priesterliche Kopfbedeckung. Bei dem Gewand handelt es sich um ein Geschenk des Bistums Limburg und der eritreisch-katholischen Gemeinde.(clm)

Die eritreische-katholische Gemeinde im Rhein-Main-Gebiet feiert im kommenden Jahr ihr 20-jähriges Bestehen. Durch den Zuzug von Flüchtlingen in den vergangenen Jahren ist die Gemeinde stark gewachsen. Zu der Gemeinde gehören heute mehr als 900 Familien, schätzungsweise 3.600 Personen, darunter viele junge Familien mit Kindern. Die eritreische Gemeinde ist Anlaufstelle für viele Flüchtlinge. Neben besonderen Beratungsangeboten engagieren sich viele Gemeindemitglieder ehrenamtlich für Flüchtlinge.


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