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Frauen fordern Licht im Dunkel der Missbrauchsfälle

Frauen fordern Licht im Dunkel der Missbrauchsfälle
Frauen fordern Licht im Dunkel der Missbrauchsfälle
Mit dem Licht aus vielen Taschen- und Handylampen wurde der Frankfurter Kaiserdom symbolisch angeleuchtet © Jochen Reichwein

„Mit Wut im Bauch und im Kopf“ haben sich am Mittwoch, 12.  Dezember, mehr als 100 Frauen vor dem Frankfurter Kaiserdom St. Bartholomäus zu einer Klage-Andacht versammelt, um ihrer Erschütterung über den Missbrauchsskandal in der katholischen Kirche Ausdruck zu verleihen. Unter dem Motto #MachtLichtAn leuchteten sie mit ihren Taschenlampen die Kirchentür an und riefen  die Bischöfe dazu auf, Licht in das Dunkel der Missbrauchsfälle zu bringen. Die Teilnehmerinnen schlossen sich damit der gleichnamigen bundesweiten Aktion der Katholischen Frauengemeinschaft Deutschlands (kfd) an. Auch vor der Limburger Stadtkirche St. Sebastian kamen etwa 25 Menschen zusammen, darunter auch Bischof Georg Bätzing.

Das Vertrauen in die Kirche, in Priester und Bischöfe und die Verantwortlichen, die über Jahrzehnte hinweg geschwiegen, Täter gedeckt und Missbrauch vertuscht hätten, sei für viele Frauen zerstört, hieß es in der Begrüßung in Frankfurt. Deswegen seien Andacht und Gebet ausdrücklich vor die Kirche verlagert worden; „Viele wissen nicht mehr, ob sie noch zu dieser Kirche dazu gehören wollen“, so die Frauen: „Wir möchten unsere Wut und Enttäuschung vor Gott tragen, aber auch unsere unerschütterliche Hoffnung.“ Die Aktion wurde auch vom katholischenFrankfurter Stadtdekan Johannes zu Eltz unterstützt, der ebenfalls an der Mahn-Andacht teilnahm.

© Jochen Reichwein
© Jochen Reichwein
© Jochen Reichwein
© Jochen Reichwein
© Jochen Reichwein

Wir möchten unsere Wut und Enttäuschung vor Gott tragen, aber auch unsere unerschütterliche Hoffnung.

Protest vor der Kirchentür

Laut verlesen wurden die vier Forderungen, die der kfd-Bundesvorstand an die Deutsche Bischofskonferenz gestellt hat. Verlangt wird eine glaubwürdige und umfassende Aufklärung, die Einsetzung von der Kirche unabhängiger  Missbrauchsbeauftragter sowie die Stärkung eines  verantwortungsbewussten und befreienden Umgangs mit Körperlichkeit und Sexualität in Ausbildung, Lehre und Katechese. Außerdem sind die Bischöfe aufgefordert, sich für eine strukturelle Erneuerung der Kirche einzusetzen: „Priester sind Diener Gottes und der Menschen und nicht durch ihre Weihe überlegen oder mächtiger. Klerikal-autoritäre Machtstrukturen haben in unserer Kirche keinen Platz!“

Im Anschluss an die Aktion waren Teilnehmer und Passanten aufgerufen, die Postkarten mit den Forderungen zu unterschreiben. Die gesammelten Karten werden der Deutschen Bischofskonferenz zur Frühjahrsvollversammlung im nächsten Jahr übergeben.