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Eine andere Kirche – mit Frauen

Erstes Frauenforum im Bistum Limburg diskutiert Wege zu mehr Gerechtigkeit
Eine andere Kirche – mit Frauen
Eine andere Kirche – mit Frauen
Erstes Frauenforum im Bistum Limburg © D. Wiese-Gutheil/Kath. Stadtkirche Frankfurt
© D. Wiese-Gutheil/Kath. Stadtkirche Frankfurt

Beim großen Thema Priesterweihe für Frauen ist eigentlich „alles gesagt“ – und doch bleibt unter den Frauen, die am Samstag, 4. Mai, zum ersten Frauenforum des Bistums Limburg nach Frankfurt gekommen sind, eine gewisse Ratlosigkeit: „Was sollen wir tun? Die Kirchenmänner wollen da ganz offenbar nicht ran“, fasst eine der Seelsorgerinnen die Stimmung zusammen. Aber das ist der einzige Moment der Resignation an diesem Nachmittag, zu dem mehr als 70 hauptamtlich beschäftige und ehrenamtlich tätige Frauen aus allen Teilen des Bistums zusammengekommen waren.

Und zum Ende hin wandelt sich die Niedergeschlagenheit auch schon wieder in einen ganz konkreten  Plan: „Sollten wir nicht einfach unter jede Email mit unserer Dienstadresse schreiben „Im Übrigen bin ich der Meinung, dass Frauen zu Priesterinnen geweiht werden sollen!“, schlägt eine der Teilnehmerinnen vor. Und viele nicken!

Zulassung zu allen Ämtern und Funktionen

© D. Wiese-Gutheil/Kath. Stadtkirche Frankfurt

Überhaupt ist an diesem Nachmittag zu spüren, dass sich die Frauen nicht mehr abspeisen lassen wollen mit den immer gleichen Argumenten. Sie wollen aktiv werden, sich Gehör verschaffen und endlich für volle Gleichberechtigung von Frauen in der katholischen Kirche kämpfen. „Das ist ein Menschenrecht!“, betonen sie. Und dass eine andere Kirche möglich ist, in der Frauen gleichberechtigt am Altar stehen und zu allen Ämtern und Funktionen zugelassen werden. Denn: „Eine Frau hat das Wort geboren, warum darf sie es nicht verkündigen?“

In sechs Arbeitsgruppen hatten sich die Frauen, die seit der Veröffentlichung der Missbrauchsstudie im vergangenen Herbst nach neuen Wegen der Beteiligung von Frauen suchen, zuvor mit ihren tradierten Rollen und Visionen einer Kirche für alle auseinandergesetzt. Sie wollen weg von der „altbackenen, verschwurbelten Sicht“ auf Sexualität, die mit der Lebensrealität junger wie alter Menschen nichts mehr zu tun habe. Sie wollen dem Klerikalismus Paroli bieten und die männerbündische Struktur der Kirche aufbrechen, indem sie sich das Recht erstreiten, auch in bisher reinen Männerrunden zu Wort zu kommen. Sie wollen Frauen als Leiterinnen von Gemeinden und Pfarreien.

Sie wollen wirkungsvolle Aktionen wie „Macht Licht an!“ wiederholen und neue kreieren wie das regelmäßige Gebet für Missbrauchsopfer. Sie wollen Aus- und Weiterbildung verbessern und eine Art duales Studium für Priester einführen, damit diese „erdverbundener“ werden. Und sie wollen sich Verbündete suchen und sich besser organisieren, damit all diese Energie, die an diesem Nachmittag spürbar ist, nicht wieder verpufft. So soll es ein zweites Frauenforum im Herbst geben – und vielleicht den ein oder anderen Zusatz unter die Mailadresse, dass auch den Frauen Weiheämter zustehen, nimmt man das Recht auf Gleichberechtigung endlich auch in der katholischen Kirche ernst.