Frankfurt, 05.01.2026

Safe Space für queere Kinder und Jugendliche - und ihre Familien

Am 26. Januar startet ein neues Gruppenangebot für Eltern queerer Kinder und Jugendlicher beim Caritasverband Frankfurt.

Der Caritasverband Frankfurt startet am Montag, 26. Januar, erstmals ein spezielles Gruppenangebot für Eltern und Familienangehörige queerer Kinder, Jugendlicher und junger Erwachsener. Dort erhalten Eltern fachliche Informationen, Raum für Austausch und Unterstützung bei der Begleitung ihrer Kinder. Es gibt noch freie Plätze.

„Es ist wunderbar, wenn es gelingt, dass wir die Menschen sein dürfen, die wir sind, und die Bestätigung auch von unserer Familie und unseren Eltern bekommen. Das ist eigentlich das Kerngeschäft unserer Eltern-Jugend-Beratung", erklären Diplompsychologin Dagmar Blosfeld und Sozialarbeiter Francisco Küfer, die das neue Angebot entwickelt haben und begleiten werden.

Warum ein spezielles Angebot für Eltern?

Die Idee zu diesem Kurs entstand aus der Erkenntnis, dass queere Kinder und Jugendliche nicht nur einen geschützten Raum brauchen, sondern insbesondere Eltern und Familie, die sie anerkennen und angemessen unterstützen. Hierfür benötigt es spezifische Orte und Räume für Eltern, an denen diese sich selbst reflektieren und mit dem Queersein ihrer Kinder beschäftigen können. „Oft haben Eltern in der Familie oder im Freundeskreis nicht die Möglichkeit, so offen darüber zu reden und sich zu positionieren. Sie brauchen einen Ort, wo sie schauen können: Wo stehe ich damit?", so Blosfeld.

Francisco Küfer ergänzt: „Viele Jugendliche sagen auch, sie möchten nicht ihre Eltern aufklären. Es ist nicht ihre Aufgabe als Kind, und manchmal ist es auch einfach komisch, mit Eltern über bestimmte Sachen zu sprechen." Das Gruppenangebot biete daher genau den richtigen Ort, wo Eltern Fragen stellen können, ohne die eigenen Kinder zu belasten.

Vier Module von Fachinformationen bis Emotionscoaching

Das Programm umfasst vier Sitzungen à 2,5 Stunden, die immer montags ab 18.30 Uhr stattfinden. Die Termine sind der 26. Januar sowie der 2., 9. und 16. Februar 2026. Im ersten Modul werden grundlegende Fachinformationen zu sexueller Orientierung, Geschlechtsidentität und sozialem Geschlecht vermittelt. „Viele Eltern sind mit diesen Themen gar nicht aufgewachsen. Heute gibt es einfach eine andere Wahrnehmung von Vielfalt und Identität, die vor vielen Jahren noch nicht da war", erklärt Küfer.

Das zweite Modul widmet sich dem Coming-out, Risiko- und Schutzfaktoren. Im dritten Modul werden Expert:innen eingeladen, im vierten Modul geht es um Emotionscoaching, dem Umgang mit herausfordernden Gefühlen.

Raum für Sorgen, Vorbehalte und Trauer

Ein sensibler Aspekt ist der mögliche Trauerprozess von Eltern. „Es geht auch darum, sich mit den eigenen Vorbehalten und Vorurteilen auseinanderzusetzen und sich vielleicht von bestimmten Ideen und Fantasien zu verabschieden", erklärt Blosfeld. Das könne zum Beispiel bedeuten, dass der von den Eltern gewählte Name nicht mehr der Name des Kindes sein wird. „Das ist auch berechtigt zu betrauern. Das ist vollkommen okay. Es ist gut, wenn Eltern sich dann einen guten Raum zum Trauern suchen und das nicht dem Kind zumuten." Küfer fügt hinzu: „Die meisten Eltern machen sich Sorgen. Sie denken, es könnte schwieriger sein für das Kind, wenn es queer ist. Es geht darum: Wie realistisch sind diese Sorgen, und was kann man als Eltern tun, um Kinder gut zu begleiten?

Auch Eltern haben ein Coming-out

Ein Vorteil von Gruppenangeboten ist die gegenseitige Unterstützung: „Elternteile können sich gegenseitig helfen, und wir als Fachkräfte vermitteln, was Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene benötigen“, sagt Dagmar Blosfeld. Das Angebot richtet sich an Eltern und Familienangehörige queerer Kinder, Jugendlicher und junger Erwachsener – ausdrücklich in allen Familienkonstellationen. Unser Anliegen war, dieses spezifische Angebot zu entwickeln, um Eltern gezielt zu begleiten", erklärt Küfer. „Nicht nur queere Menschen haben ein Coming-out, sondern Eltern auch. „Für uns ist wichtig, dass Menschen die Freiheit haben zu sagen, was sie wollen, um sich dann mit den eigenen Vorbehalten, Sorgen und Enttäuschungen auseinanderzusetzen", fasst Blosfeld zusammen. „Ich glaube, das ist die Voraussetzung, um zu einer guten Beziehung zum eigenen Kind zu kommen. Denn das wünschen wir uns alle: dass wir die Menschen sein dürfen, die wir sind, und respektiert werden mit dem, das uns ausmacht."

Kontakt

Weitere Informationen für Interessierte gibt es bei der Eltern- und Jugendberatung Stadtmitte, eb.stadtmitte@caritas-frankfurt.de, Tel. 069 2982 - 6301

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