Frankfurt
Totengedenken und Fürbitten über Frankfurt hinaus
Der Frankfurter St. Bartholomäusdom ist auf mancherlei Weise mit der Feuerwehr verknüpft: Der Türmer ist einstens auch der Brandmelder der Stadt gewesen, erinnert Michael Thurn, Leiter der katholischen Stadtkirche. Auf den verheerenden Dombrand 1867 sei maßgeblich die Gründung der Frankfurter Feuerwehr zurückzuführen. Gerne gingen Michael Thurn und der evangelische Stadtdekan von Frankfurt und Offenbach Holger Kamlah auf den Wunsch des Direktors der Branddirektion Frankfurt Markus Röck ein, erstmals einen ökumenischen Gottesdienst zu feiern, in dem der Engagierten gedacht und für den Arbeitseinsatz gedankt wird.
Am 25. November wurde der erste Feuerwehrgottesdienst Frankfurts gefeiert. Dicht besetzt waren bei diesem Gottesdienst die Sitzreihen des Bartholomäusdoms mit Feuerleuten. Hauptamtliche und Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehren erschienen vielfach in ihren Uniformen, zwischen ihnen saßen pensionierte Brandschützer. Flankiert von Fahnen der Feuerwehr traten Thurn und Kamlah in den Altarraum. Gemeinsam mit Pfarrer Tobias Völger von der Evangelischen Dreifaltigkeitsgemeinde gestalteten sie den Gottesdienst. Feuerwehrleute formulierten und sprachen die Fürbittengebete. Dommusikdirektor Andreas Boltz und die Frankfurter Bläserschule sorgten ökumenisch für den musikalischen Rahmen.
Respekt und Gedenken
„Wir möchten unseren verstorbenen Kameradinnen und Kameraden der Freiwilligen Feuerwehr sowie Kolleginnen und Kollegen der Berufsfeuerwehr Respekt erweisen und ihrer gemeinsam gedenken. Dieser Gottesdienst soll Ausdruck unserer Dankbarkeit und ein Zeichen der Verbundenheit mit der Vergangenheit und der Gegenwart sein“, sagte Branddirektor Röck im Vorfeld des Gottesdienstes.
Holger Kamlah und Michael Thurn wählten die biblische Geschichte vom barmherzigen Samariters als Grundlage für ihre gemeinsame Predigt aus: Der ausgegrenzte Samariter sieht einen Menschen am Straßenrand liegen, er schaut nicht weg, fragt nicht woher der Hilfebedürftige kommt, sinnt nicht auf Zurückzahlen von Demütigungen, sondern hilft. Vor ihm ist ein Mensch, dem wendet er sich zu, versorgt ihn.
An die anwesenden Feuerwehrleute gewandt sagten Michael Thurn und Holger Kamlah „Ob es ein Brand ist, ein Verkehrsunfall, ein medizinischer Notfall. Sie fragen nicht nach der Religion der Menschen, die sie retten. Nicht nach ihrer Herkunft. Nicht nach ihrer politischen Einstellung. Nicht danach, ob sie selbst Schuld sind an dem Notfall.“ Vielmehr fragten sie sich: Was wird gebraucht? Wie können wir helfen? „Sie handeln. Konkret“, so die evangelischen und katholischen Leitungen. Ausbildung, Ausrüstung und Erfahrung setzten sie ein. „Und das sollten wir nicht vergessen – mit Ihrer eigenen Verletzlichkeit.“
Gebet für die Kolleginnen und Kollegen in der Ukraine
Gegenwärtig sind 1.400 Mitarbeitende bei der Feuerwehr Frankfurt beschäftigt, hinzu kommen mehr als 1.800 Ehrenamtliche. Ein zentrales Element des Gottesdienstes war das Totengedenken. In den Fürbitten gedachten die Feuerwehrleute ihrer verstorbenen Kolleginnen und Kollegen, sie beteten zudem für Weggenossinnen und –genossen, die psychisch unter dem bei Einsätzen Erlebten leiden. Mit Blick auf die Zukunft beteten sie dafür, dass Kinder und Jugendliche in die Feuerwehren hineinwachsen. In Gebetszeilen blickten sie auch über Frankfurt hinaus, nahmen weltweit Kolleginnen und Kollegen in ihre Worte auf, explizit Feuerwehrleute in der Ukraine, die unter schwersten Bedingen Leben retten und Brände löschen.
Bettina Behler