FRANKFURT, 26.08.2018

Mit Herz und Verstand gegen kirchliche Erstarrung

Bunt und heiter feiert die Frankfurter Stadtkirche ihr Bartholomäusfest. Aber der Bischof schlägt auch ernste Töne an.

Bischof Bätzing feiert mit der Frankfurter Stadtkirche Bartholomäusfest

Zum Fest des Heiligen Bartholomäus, der als Märtyrer für seinen Glauben starb, hat der Bischof von Limburg, Georg Bätzing, die Opfer von Missbrauch und sexueller Gewalt in der katholischen Kirche beklagt. Der „abscheuliche Missbrauch“ von Kindern und Jugendlichen rufe immer wieder „Verstörung und Scham“ hervor, sagte er im Blick auf die jüngsten Enthüllungen in den USA. Nicht die Täter, sondern die Opfer brauchten „Aufmerksamkeit und Verständnis“, denn nicht nur Märtyrer seien für ihren Glauben zum Opfer geworden: „Auch in unserer Kirche gibt es solche Opfer.“

Bätzing verwies in seiner Predigt zum Bartholomäusfest, das die katholische Stadtkirche in Frankfurt jedes Jahr zu Ehren des Frankfurter Stadtpatrons und Namensgebers des Kaiserdoms feiert, darauf, dass die deutsche Kirche ihr Bewusstsein für diesen Skandal seit den Enthüllungen von 2010 bereits geschärft habe. Sie müsse und werde aber noch viel mehr tun, damit die Kirche für Kinder und Jugendliche ein „sicherer und heiler Ort“ sei.gannen so ihre Wallfahrt zum Bartholomäusdom.

Die Haut ist Kontakt- und Berührungsfläche zwischen innen und außen

Die Kirche könne auch in der modernen Gesellschaft noch Kraft entfalten, wenn die Christen „alle ihre Sinne, ihren Verstand und ihr Herz dafür einsetzen, weder in einer kirchlichen Erstarrung zu verharren, noch einfach ihr Eigenes aufzugeben“, betonte der Bischof am Sonntag, 26. August. In seiner Predigt sagte er beim Festgottesdienst im überfüllten Kaiserdom St. Bartholomäus, Gegenwart und Zukunft seien die Zeit Christi. Seine Botschaft entfalte ihre Kraft, wenn Menschen einander aufmerksam begegnen, füreinander da sind, einander ermutigen und im Glauben bestärken. So könnten Antworten gefunden werden auf die entscheidenden Fragen von heute, Antworten, „die für uns selbst und für andere Sinn machen“.

Der Bischof ging auf die biblische Geschichte des heiligen Bartholomäus ein, der als Märtyrer starb, weil ihm bei lebendigem Leib die Haut abgezogen wurde. Die Haut als größtes Sinnesorgan des Menschen sei Kontakt- und Berührungsfläche zwischen innen und außen, zwischen Leib und Welt. Sie verkörpere Integrität, Schönheit und Berührbarkeit, die Notwendigkeit zu Kontakt, aber auch Schutzbedürfnis und Ausgesetzt-Sein. In all diesen Eigenschaften spiegele sie ein Zukunftsbild von Kirche und eine Haltung von Christen, den Menschen in ihrer Umgebung zu begegnen.

Die Mainmetropole gehört zu den Apostelstädten

Seit vielen Jahrhunderten gehört die Mainmetropole, die eher für ihre Bankentürme als für ihre Kirchtürme gerühmt wird, in eine Reihe mit bekannten Apostelstädten wie Santiago de Compostela, Rom oder Trier. Nur einmal im Jahr - am Sonntag nach dem Namenstag des Heiligen (24. August) - wird die kostbare Reliquie, die Schädelplatte des Apostels, der Öffentlichkeit gezeigt und in einer Reliquienprozession verehrt. Die Reliquie erinnert an das Leben des Bartholomäus, der vor rund 2000 Jahren mit Jesus und dessen Jüngern durch das Heilige Land zog und als Märtyrer starb. Der Legende nach soll er in Indien, Mesopotamien und Armenien gepredigt haben.

Zum Stadtkirchenfest, das nach dem feierlichen Gottesdienst auf dem Domplatz rund um den Bartholomäusdom stattfand, kamen Gläubige aus allen Teilen Frankfurts in die Innenstadt: Wie jedes Jahr organisierten Gemeinden Wallfahrten in die Innenstadt, etwa mit dem Schiff aus Höchst und Griesheim, mit Fahrrädern aus dem Norden und Süden der Stadt oder zu Fuß auf dem Jakobsweg aus der Pfarrei St. Jakobus im Westen. Einen neuen Akzent setzte die Pfarrei St. Josef in Bornheim. Statt wie in früheren Jahren gemeinsam mit der U-Bahn in die Stadt zu pilgern, lud die Gemeinde um 10 Uhr an der Konstablerwache zu einer so genannten Statio ein: Mit Gebeten, Psalmen und Gesängen stimmten sich die Gläubigen dort auf das Fest ein und begannen so ihre Wallfahrt zum Bartholomäusdom.

Fröhliches Feiern auf dem Domplatz

Bei Essen und Trinken und flotter Musik trafen sich die Christen anschließend auf dem Domplatz. Informationen über faire Geldanlagen, fair gehandelter Apfel-Mango-Saft und eine echte Apfelkelter lockten die Gäste aus allen Teilen der Stadt. Vor allem aber die Predigt des Bischofs war immer wieder Thema an die voll besetzten Biertischen: "Es ist Zeit, dass die Bischöfe so offen reden und den Dreck nicht länger unter den Teppich kehren", zeigte sich eine Frau aus Schwanheim überzeugt. 

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