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Regionale Kirchengeschichte – wissenschaftlich erforscht

Neue Uni-Forschungsstelle dokumentiert Geschichte des Bistums Limburg
Regionale Kirchengeschichte – wissenschaftlich erforscht
Regionale Kirchengeschichte – wissenschaftlich erforscht
© Diözesanmuseum Limburg

Die Geschichte des Bistums Limburg von 1945 bis 2016 soll in einer eigens eingerichteten Forschungsstelle an der Frankfurter Goethe-Universität wissenschaftlich erforscht werden. Bei der feierlichen Eröffnung am Montag, 29. April, betonte der Leiter der neuen Forschungsstelle, der Kirchenhistoriker Prof. Günther Wassilowsky, regionale Kirchengeschichte spiegele auf einem räumlich überschaubaren Gebiet das authentische Bild einer kirchenhistorischen Epoche.

Die Forschungsstelle ist am Fachbereich Katholische Theologie der Goethe-Universität – und dort bei der Professur für Kirchengeschichte - angesiedelt. Das Bistum Limburg stellt die Arbeit der Forschungsstelle finanziell sicher.

Akademisches Interesse über die Bistumsgrenzen hinaus

Gerade die Geschichte des Bistums Limburg unmittelbar vor und nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil (1962-65) ist nach Darstellung der Wissenschaftler weit über die Grenzen der Diözese hinaus von akademischem Interesse. Besonders im Rhein-Main-Gebiet seien gesellschaftliche und religiöse Entwicklungen wie Säkularisierung oder Kirche und Urbanität vergleichsweise früh aufgetaucht. Die Probleme wurden in zahlreichen Pilotprojekten angegangen, die wenige Jahre später für den gesamtdeutschen Katholizismus prägend werden sollten.

So ist der vor 50 Jahren im Bistum begonnene „Synodale Weg“ eine konkrete Umsetzung des Konzils und der Würzburger Synode. Weltweite Beachtung in den Massenmedien und erstmals auch in den Sozialen Medien fand das Bistum schließlich in den Jahren 2000 bis 2014 mit dem Kampf von Bischof Franz Kamphaus um den Verbleib in der Schwangerenkonfliktberatung und dem Finanzskandal um Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst.

Neue kirchenhistorische Methoden

Der Generalvikar des Bistums, Wolfgang Rösch, betonte, für die Forschungsaufgabe gebe es eine Vielfalt von Beiträgen, aus dem Bistum selbst, von der Jesuitenhochschule Sankt Georgen in Frankfurt, von der Goethe-Universität und aus der Frankfurter Stadtgesellschaft und Stadtkirche. Unabdingbar für die Erforschung der eigenen Geschichte seien aber Distanz und Unabhängigkeit der Wissenschaftler. Dennoch könne die Besinnung auf die eigene Identität und besondere Limburger Geschichte das Bistum auch in neuer Weise zukunftsfähig machen. Mit der erforderlichen Aufarbeitung und der Verortung der Vergangenheit wage das Bistum einen optimistischen Blick in die Zukunft. 

Wie der Kirchenhistoriker Prof. Matthias Kloft, Leiter des Limburger Diözesanmuseums und Honorarprofessor an der Goethe-Universität, hervorhob, müssen für die Erforschung der jüngsten Kirchengeschichte mit ihren singulären Ereignissen neue kirchenhistorische Methoden entwickelt werden. Auch Medien- und Kulturwissenschaften müssten eingebunden werden. Daneben würden Zeitzeugen befragt und zahlreiche Quellen ausgewertet. Mehrere Autoren sollten dafür gewonnen werden. Um dem Vorwurf der Befangenheit vorzubeugen, werde gerade die Erforschung der jüngsten Bistumsgeschichte in die Hände von Wissenschaftlern gelegt, die mit größter Distanz auf das Bistum blicken.

Ein Geschichtsbuch zum 200jährigen Jubiläum

Die Historikerin Barbara Wieland, die das Projekt betreuen wird, nannte vier Säulen für die Forschungsaufgabe: die Geschichte der Ortskirche als identitätsstiftende Gemeinschaft, die Liturgiegeschichte mit neuen Gottesdienstformen, das geistliche Leben und die Weitergabe des Glaubens sowie Diakonie und unterschiedliche pastorale Ansätze. Für 2027 zum 200. Geburtstag des Bistums Limburg kündigte sie den Abschlussbericht über das „Bistum Limburg 1945-2016“ in Buchform an.