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Im Dom ist die Bartholomäusplakette vergeben worden
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Georg Trettin (r.) erhält die Plakette und Urkunde von Stadtdekan Johannes zu Eltz. Marianne Brandt überreicht Blumen. © A. Zegelman / Bistum Limburg

Er hoffe auf nicht weniger als darauf, ein neues Sakrament zu entdecken. Das sagte Georg Trettin, einer von zwei Geehrten, die am heutigen Sonntag im Dom mit der Bartholomäusplakette für ehrenamtliches Engagement in der Katholischen Stadtkirche Frankfurt ausgezeichnet wurden. Ein Sakrament des einschließenden Segens nämlich, das alle umfasse, die darum bitten würden – auch schwule und lesbische Ehepaare mit dem Wunsch nach Segnung ihrer Liebe. „Das wäre eine gute Tat, ein Über-Sich-Hinauswachsen der Kirche, ein Sakrament der Gerechtigkeit!“ Davon träumt er, darauf hofft er – oder zumindest, dass sich beim Synodalen Weg etwas in die richtige Richtung bewegt, sagte Trettin, der sich berührt von der Auszeichnung zeigte und für die große Offenheit der Katholischen Stadtkirche dankte.

Entscheidender theologischer Impuls

Stadtdekan Johannes zu Eltz und Bezirksreferent Michael Thurn hatten Trettin für seinen jahrzehntelangen Beitrag um die mühevolle und häufig schmerzhafte Annäherung von homosexuellen Menschen und der katholischen Kirche für die Plakette vorgeschlagen. Thurn würdigte in seiner Laudatio den großen Beitrag des Preisträgers zur Diskussion rund um die Segensfeiern für gleichgeschlechtliche Paare. „Der Frankfurter Vorschlag zur Einführung von Segensfeiern, wie er von Stadtdekan zu Eltz im Januar 2018 vorgestellt wurde, kam nur zustande, weil Georg Trettin dafür den entscheidenden theologischen Impuls geliefert hat. Dass die Stadtkirche Frankfurt in der kirchenöffentlichen Wahrnehmung einen wichtigen Beitrag in den Diskussionen um Segensfeiern leisten konnte, ist also Georg Trettin zu verdanken“, so Thurn. Und somit, dass nun beim Synodalen Weg über Segensfeiern gesprochen wird.

Bei Trettins Beitrag handelte es sich konkret um die theologische Einsicht, dass es bei der Segensfeier, anders als bei katholischen Eheschließung, nicht um die Konstituierung eines Bundes gehe. Der Bund sei längst geschlossen, zum Beispiel durch die Eheschließung auf dem Standesamt. Es werde also um den Segen für etwas gebeten, was es bereits gibt. „Das klingt banal, ist es aber nicht. Es hat den Anstoß von Georg Trettin gebraucht, damit bei den Verantwortlichen der Stadtkirche der Hebel im theologischen Denken umgelegt wurde und der Weg frei wurde für die Forderung nach Segensfeiern“, sagte Michael Thurn.

Zu den Menschen in Bezug gesetzt

Ähnlich wie Georg Trettin steht auch die zweite Geehrte Christa Stilger ungern selbst im Mittelpunkt. Seit mehr als 60 Jahren ist sie ehrenamtlich in der gemeindlichen und caritativen Arbeit aktiv, weshalb Caritasdirektorin Gaby Hagmans und Christine Lühn, Leiterin der Frauen- und Schwangerschaftsberatung beim Caritasverband Frankfurt, sie für die Bartholomäusplakette vorgeschlagen haben. Der Fokus ihrer Arbeit habe stets auf benachteiligten Gruppen gelegen, sagte Gaby Hagmans in ihrer Laudatio: „Christa Stilger hat sich zu ihnen in Bezug gesetzt und sich von ihnen rühren lassen. Menschen so zu begegnen ist das, was eine lebendige Zeugin der Nachfolge Jesu ausmacht.“

© A. Zegelman / Bistum LimburgEin Klick öffnet die Bilderstrecke: Christa Stilger (Mitte) mit Christine Lühn (l.) und Gaby Hagmans nach dem Gottesdienst.
© A. Zegelman / Bistum LimburgEin Klick öffnet die Bilderstrecke: Christa Stilger (Mitte) mit Christine Lühn (l.) und Gaby Hagmans nach dem Gottesdienst.
© A. Zegelman / Bistum LimburgChrista Stilger erhält die Plakette von Stadtdekan Johannes zu Eltz.

Mit christlicher Nächstenliebe die Welt gestalten und sie zu einer besseren machen, für diejenigen da sein, die Hilfe brauchen – genau das sei gelebte Caritas. Und dafür stehe der beeindruckende Einsatz von Christa Stilger. Unter anderem engagiert sie sich seit mittlerweile mehr als 20 Jahren im KinderKleiderKorb der Gemeinde St. Franziskus in Eschersheim. Zunächst baute sie das Projekt mit auf, seit 2004 ist sie dessen Leiterin. Noch heute, mit über 80, ist sie im Ortsausschuss ihrer Gemeinde St. Josef aktiv.

„Diesen Dank möchte ich direkt an den Herrgott weitergeben, der mich immer geführt hat und dies hoffentlich noch bis zum Ende tun wird“, sagte die Geehrte gerührt. Außerdem dankte sie ihren Eltern, die ihr das Ehrenamt vorgelebt haben, und ihrem Mann, der wie sie sehr aktiv im selben Bereich arbeitete. „Nur durch die Menschen bin ich das geworden, was ich bin“, sagte Christa Stilger.

Kirche sichtbar machen

Marianne Brandt, die Vorsitzende der Stadtversammlung der Frankfurter Katholiken, lobte, beide Geehrte machten die Katholische Kirche in Worten und Taten sichtbar in dieser Welt und stärkten ihr Ansehen in der Frankfurter Stadtgesellschaft.

© A. Zegelman / Bistum LimburgStadtdekan Johannes zu Eltz und die Reliquie des Heiligen Bartholomäus im Dom.

Die Ehrung fand direkt in Folge des Gottesdienst zum Patronatsfest des Heiligen Bartholomäus im Dom statt, das aufgrund der Corona-Pandemie zum zweiten Mal in Folge ohne das beliebte Stadtkirchenfest begangen werden musste. Die Reliquie des Heiligen Bartholomäus, seine Schädeldecke, wird seit mehr als 1000 Jahren im Bartholomäusdom aufbewahrt und verehrt. Frankfurt gehört mit der wertvollen Apostelreliquie in die Reihe bedeutender Städte wie Rom, Santiago de Compostela oder Trier, in deren Mauern Reliquien der Apostel Jesu aufbewahrt werden.

Stadtdekan Johannes zu Eltz schlug in seiner Predigt den Bogen zwischen Patronatsfest und Ehrung. Zwar sei der 3. Ökumenische Kirchentag im Mai nicht ganz so handfest und sichtbar gewesen wie erhofft. „Aber sein Anliegen ist aktuell geblieben. Die Versuchung, wegzuschauen , ist da. Die Ermutigung, hinzuschauen, sich berühren und bewegen zu lassen, ist da. Es gibt immer noch Arme ohne Freude, Gefangene ohne Hoffnung, Blinde ohne Aussicht und Zerschlagene am Boden. Und es gibt immer noch Jesus, den Menschensohn, auf dem Gottes Geist ruht und in dem Gottes Kraft wirkt“, so der Stadtdekan in seiner Predigt. „Das ,Gnadenjahr des HERRN‘, das mit ihm begonnen hat, dauert an. Solange es Menschen gibt, die an ihn glauben und durch ihn leben. Die in ihm den Sohn Gottes sehen und den König von Israel. Die nicht im Tempel, nicht im Buch, auch nicht in der Kirche, sondern in ihm den Ort sehen, an dem Gott angetroffen wird und Gottes Reich angebrochen ist.“

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