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Zeit für neue Thesen - Maria 2.0 formuliert sieben Forderungen

Zeit für neue Thesen - Maria 2.0 formuliert sieben Forderungen
Zeit für neue Thesen - Maria 2.0 formuliert sieben Forderungen
Aktivistinnen von Maria 2.0 bringen die Thesen am Frankfurter Dom an. © Maria 2.0 Frankfurt

Sie haben einen Hammer in der Hand, doch der ist nur symbolisch: Das Thesenpapier, das Frauen von Maria 2.0 am gestrigen Sonntag an die Pforte des Bartholomäusdoms anbrachten, wurde natürlich nicht genagelt, sondern nur geklebt. Trotzdem gehörte der Hammer zum dramatischen Auftritt dazu. Und verfehlte seine Wirkung nicht: „Wir freuen uns über die große Aufmerksamkeit für unsere Sache, denn sie soll nicht ungehört verhallen“, sagt Monika Humpert von Maria 2.0 in Frankfurt. 

Die Thesen, die von Marien-Aktivistinnen in Hildesheim verfasst worden sind, wurden zeitgleich in verschiedenen deutschen Städten angebracht, unter anderem in Wiesbaden. Das sorgte für ein breites Medienecho, zum Beispiel berichteten die Tagesschau, das ZDF und die Deutsche Presseagentur. „Wir sprechen mit einer Stimme, auch für die, die die Hoffnung aufgegeben haben", betont Monika Humpert.

1. #gerecht – gleiche Würde – gleiche Rechte
In unserer Kirche haben alle Menschen Zugang zu allen Ämtern. Denn Menschenrechte und Grundgesetz garantieren allen Menschen gleiche Rechte – nur die katholische Kirche ignoriert das. Mannsein begründet heute Sonderrechte in der Kirche.

2. #partizipativ – gemeinsame Verantwortung
In unserer Kirche haben alle teil am Sendungsauftrag; Macht wird geteilt. Denn der Klerikalismus ist heute eines der Grundprobleme der katholischen Kirche und fördert den Machtmissbrauch mit all seinen menschenunwürdigen Facetten.

3. #glaubwürdig – respektvoller Umgang und Transparenz
In unserer Kirche werden Taten sexualisierter Gewalt umfassend aufgeklärt und Verantwortliche zur Rechenschaft gezogen. Ursachen werden konsequent bekämpft. Denn viel zu lange schon ist die katholische Kirche ein Tatort sexueller Gewalt. Kirchliche Machthaber halten immer noch Informationen zu solchen Gewaltverbrechen unter Verschluss und stehlen sich aus der Verantwortung.

4. #bunt – leben in gelingenden Beziehungen
Unsere Kirche zeigt eine wertschätzende Haltung und Anerkennung gegenüber selbstbestimmter achtsamer Sexualität und Partnerschaft. Denn die offiziell gelehrte Sexualmoral ist lebensfremd und diskriminierend. Sie orientiert sich nicht am christlichen Menschenbild und wird von der Mehrheit der Gläubigen nicht mehr ernst genommen.

5. #lebensnah – ohne Pflichtzölibat
In unserer Kirche ist die zölibatäre Lebensform keine Voraussetzung für die Ausübung eines Weiheamtes. Denn die Zölibatsverpflichtung hindert Menschen daran, ihrer Berufung zu folgen. Wer diese Pflicht nicht einhalten kann, lebt oft hinter Scheinfassaden und wird in existentielle Krisen gestürzt.

6. #verantwortungsvoll – nachhaltiges Wirtschaften
Unsere Kirche wirtschaftet nach christlichen Prinzipien. Sie ist Verwalterin des ihr anvertrauten Vermögens; es gehört ihr nicht. Denn Prunk, dubiose Finanztransaktionen und persönliche Bereicherung kirchlicher Entscheidungsträger haben das Vertrauen in die Kirche tiefgreifend erschüttert und schwinden lassen.

7. #relevant – für Menschen, Gesellschaft und Umwelt
Unser Auftrag ist die Botschaft Jesu Christi. Wir handeln danach und stellen uns dem gesellschaftlichen Diskurs. Denn die Kirchenleitung hat ihre Glaubwürdigkeit verspielt. Sie schafft es nicht, sich überzeugend Gehör zu verschaffen und sich im Sinne des Evangeliums für eine gerechte Welt einzusetzen.

Quelle: www.mariazweipunktnull.de/thesenanschlag-2-0

Doch warum Luther? Ist das als Anspielung auf den ÖKT zu verstehen? „In gewisser Weise wollte Luther eine Einheit erreichen und die Kirche gerade nicht auseinanderbrechen“, sagt Monika Humpert. „So geht es uns auch. Und außerdem ist die Situation für uns dramatisch, das verdient eine gewisse Dramatik in der Handlung.“ Luthers Thesen hätten etwas Großes in Bewegung gesetzt, das wollen auch die Mitstreiterinnen von Maria 2.0, hieß es daher auch in der Ankündigung der Aktion. 

Nicht nur der symbolträchtige Akt, sondern auch der Zeitpunkt waren bewusst gewählt: Die Thesen-Aktion fand am Wochenende vor der virtuellen Vollversammlung der deutschen Bischöfe (23. – 25.02.2021) statt, die die Frauen mit ihren Apellen erreichen wollen. Aus ihrer Sicht sei es notwendig, dass die Deutsche Bischofskonferenz endlich beginne, sich ernsthaft mit den in der katholischen Kirche notwendigen Reformen auseinanderzusetzen und den Willen zu Veränderungen durch Taten bezeugt.

Gut finde sie das Auftreten des Limburger Bischofs Dr. Georg Bätzing, der zugleich auch Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz ist, sagt die Sprecherin der Frankfurter Frauengruppe. „Am Anfang war er verhalten unserer Bewegung gegenüber, aber mittlerweile interessiert er sich sehr und bezieht klar Stellung zur Frauenfrage“, lobt Humpert. Die Frankfurter „Marien“ und ihre Mitstreiterinnen sind hoffnungsvoll, dass die große Aufmerksamkeit sie in der Sache weiterbringt. „Und zwar, bevor es zu spät ist“, unterstreicht Humpert, „denn uns laufen viele gute Katholikinnen davon. Was sollen wir denn unseren Töchtern und Enkelinnen sagen, welche Zukunft sie in unserer Kirche haben, wenn sich nicht langsam etwas tut?“

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