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Wenn der Altar zum Schatzkästchen der Gemeinde wird

Persönliche Aktion auf der Kirchenbaustelle von St. Johannes in Goldstein
Wenn der Altar zum Schatzkästchen der Gemeinde wird
Wenn der Altar zum Schatzkästchen der Gemeinde wird
Christine Sauerborn-Heuser leitete den Wortgottesdienst, bei dem die Erinnerungsstücke in den Altar gelegt wurden. © Bistum Limburg / privat

Vorsichtig hebt Christine Sauerborn-Heuser die Holzkästchen in Vertiefung des frisch gegossenen Altars. Die Gemeindereferentin der Erlebniskirche St. Johannes in der Pfarrei St. Jakobus muss sich auf einen Stuhl stellen, um überhaupt so weit in den momentan noch von einer Holzverkleidung ummantelten Altar hineingreifen zu können. Nach und nach stapelt sie die mit Deckeln verschlossenen Kästchen übereinander. Neun Stück sind es, und jedes enthält Dinge, die jemandem aus der Gemeinde wichtig sind. Darunter sind ein Rosenkranz von 1938, ein von einer Pilgerreise nach Santiago mitgebrachter Rauchfassanhänger, ein Paar Eheringe, aber auch Sachen, die keinen direkten Glaubensbezug haben, wie ein Paar Würfel, die für die glückliche Kindergartenzeit stehen, und einen Mund-Nasen-Schutz aus Stoff, der die Corona-Zeit symbolisiert.

Blick auf den Wortgottesdienst
© privatEindruck vom Wortgottesdienst, in dem die Erinnerungsstücke in den neuen Altar eingebracht wurden.

Wir möchten, dass die Menschen fühlen, dass sie und ihre Erinnerungen hier einen richtigen, wichtigen Platz haben.

Christine Sauerborn-Heuser

Zu der Aktion inspiriert hat die Gemeinde der mit Glaubenserinnerungsstücken gefüllte Lehmaltar im Wormser Dom. Rund 45 Objekte wurden als Altareingabe für Goldstein gespendet. Bei einem feierlichen Wortgottesdienst Mitte September konnten die Besitzer zunächst die Geschichte ihrer Gegenstände erzählen – für viele ein sehr emotionales Erlebnis. „Zum Teil gab es zitternde Stimmen, einige hatten auch Tränen in den Augen“, erzählt Christine Sauerborn-Heuser. Nach dem Erzählen wurden die Gegenstände in die Kästchen verpackt und im Altar gestapelt, mittlerweile ist er mit Beton versiegelt. Der Altar selbst besteht ebenfalls aus Beton und ist erst vor Kurzem direkt im neuen Kirchenraum gegossen worden. Nach der Weihe der neuen Kirche im Juni 2021 wird er der spirituelle Mittelpunkt des neuen Gemeindezentrums von St. Johannes in Goldstein sein.

„Wir möchten, dass die Menschen fühlen, dass sie und ihre Erinnerungen hier einen richtigen, wichtigen Platz haben“, erklärt Christine Sauerborn-Heuser. Natürlich bekommen auch die Reliquien, die sich im Altar der abgerissenen Kirche befanden, wieder einen festen Platz. Und durch die weltlichen Glaubenserinnerungsstücke wird der neue Altar zu einer Art Zeitkapsel. Wer sie wann wieder öffnen wird? Ungewiss! „Das wird wohl erst passieren, wenn die neue Kirche, die jetzt noch gar nicht fertig ist, abgerissen wird“, vermutet Christine Sauerborn-Heuser.

Lange Planung, aufreibende Bauphase

Doch daran möchte in Goldstein niemand denken. Momentan steht der Neubau, für den das Bistum Limburg 5,2 Millionen Euro bewilligte und für den die Gemeinde 520.000 Euro Eigenanteil aufbringen muss, nämlich kurz vor der Fertigstellung. Damit enden eine lange Zeit der Planung und eine aufreibende Bauphase, in der es einige Rückschläge gab. Doch jetzt hoffen Gemeindereferentin Sauerborn-Heuser und ihre Mitstreiter, dass das Gemeindezentrum im November 2020 bezogen werden kann. Und vielleicht wird dann im Advent schon der erste Gottesdienst im neuen Kirchraum gefeiert – natürlich unter Corona-Bedingungen.

Aktuell werden Fliesen gelegt, dann kommen die Maler und Schreiner. Im Kirchenraum wird noch eine Schallschluckdecke installiert, anschließend können die Lampen angeschlossen werden. Und auch ein ganz besonderes Fenster im Altarraum, in dessen Glas verschiedene Versionen derselben Bibelstelle eingraviert werden, fehlen noch.

 

© Bistum Limburg / Anne ZegelmanChristine Sauerborn-Heuser am befüllten Altar.

Eine gute Musikanlage und Fußbodenheizung

Weil St. Johannes von Anfang an als Erlebnis Kirche geplant wurde, wird es keine Orgel geben, stattdessen eine gute Musikanlage für die Band und Lichteffekte. Auch eine Fußbodenheizung wird eingebaut, damit man bei Gottesdiensten auch mal auf dem Boden sitzen kann. Und vielleicht sogar WLAN für die Gottesdienstbesucher.

Doch nicht alles wird neu. „Uns war es auch wichtig, alte Elemente in die neue Kirche einzubringen“, so Christine Sauerborn-Heuser. So wird das Kreuz aus der abgerissenen Kirche auch den neuen Altarraum zieren, ebenso der Kreuzweg. Und der alte Altar soll irgendwann zum Brunnen vor der Tür umgebaut werden. Auch die kleine Taufkapelle, ein Rondell mit bunten Glasfenstern, wurde erhalten und soll künftig als Gebetsraum genutzt werden.

Schon jetzt zum Vormerken: Die Kirchweih ist für 27. Juni 2021, 17 Uhr, geplant. Weitere Informationen zum Bauprojekt und eine Möglichkeit, zu spenden, finden Interessierte unter www.glaub-dran.de.
 

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