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Verständnis für Reaktionen auf schmerzhaften Vorschlag

Verständnis für Reaktionen auf schmerzhaften Vorschlag
Verständnis für Reaktionen auf schmerzhaften Vorschlag
Die Kirche St. Christophorus in Preungesheim steht beim KIS-Prozess im Blickpunkt. © Anto Batinic

Nachdem im September 2020 bekannt wurde, dass die Pfarrei St. Franziskus die Kirche in Preungesheim wohl aufgeben muss, haben Pfarrer Anto Batinic und Ralf Bentzin, Vorsitzender des Pfarrgemeinderates, zahlreiche Nachrichten von Menschen erhalten, die sich für einen Erhalt stark machten. Auch eine Initiative mit dem Namen „St. Christophorus soll leben“ gründete sich, die den Denkmalschutz des Gebäudes aus den 1960er Jahren erreichen und auch Spendengelder für die Sanierung der Kirche zur Verfügung stellen will.

Mittlerweile steht fest: St. Christophorus ist kein Denkmal. Die Arbeitsgruppe, die Vorschläge zur Umsetzung der sogenannten kirchlichen Immobilienstrategie (KIS) erarbeiten sollte, kann ihre Überlegungen also weiterverfolgen. Und das ist nötig. Denn über allem, das wird in einem aktuellen Bericht der AG deutlich, steht das Ziel, die Pfarrei trotz sinkender Mitgliederzahlen und Geldsorgen in die Zukunft zu führen.

Drastische Maßnahme

Dabei versteht im Arbeitskreis jeder und jede, dass eine drastische Maßnahme wie der Abriss einer Kirche schlimm ist für alle, die sich dort zu Hause gefühlt haben. „Die Abgabe eines Kirchengebäudes ist immer schmerzhaft für die Gemeindemitglieder, die eine besondere Beziehung zum Kirchort, zur Gemeinde vor Ort und zum Gebäude haben“, hatte Pfarrer Anto Batinic schon im September gesagt, als die Pläne erstmals bekannt wurden. Trotzdem seien die Einschnitte mit Blick auf die Fakten unvermeidlich: „Allen ist seit der Visitation durch den Bischof 2018 klar, dass wir nicht alle Immobilien behalten können.“ Damit deutlich wird, warum ein solch schmerzhafter Einschnitt nötig ist, möchte die Arbeitsgruppe Einblick in die Hintergründe geben. Der aktuelle Bericht schildert, wie sehr St. Franziskus im Unterhalt der Kirchen von den finanziellen Zuwendungen aus dem Bistum Limburg abhängig ist. „Vor Corona sind 75 Prozent unseres direkten Jahresetats aus Kirchensteuermitteln finanziert“, heißt es dort. Doch weil die Mitglieder immer älter werden und auch die Zahl der Kirchenaustritte steigt, sinken die Kirchensteuer-Einnahmen. Und die finanzielle Zukunft ist nicht mehr länger gesichert.

Möglichst große Fläche verpachten

Die Pfarrei muss, und da ist sie nicht allein, also Wege finden, sich zumindest teilweise finanziell unabhängig zu machen. Am besten gelingt dies, indem Kosten reduziert und zugleich Einnahmen gesteigert werden. Aus dieser Maßgabe erarbeitete die Arbeitsgruppe die Idee, eine möglichst große, zusammenhängende und erschließbare Fläche im Erbbaurecht abzugeben. Und aus dieser Überlegung heraus rückte der Kirchort St. Christophorus in die engere Wahl. Hier ist die größtmögliche Fläche vorhanden. Auf den Gebäuden ist kein Denkmalschutz und es besteht ein Sanierungs- und Instandhaltungstau. Darüber hinaus wird das Kirchengebäude seitens des Bistums nicht mehr bezuschusst, alle Investitionskosten, die mit der Kirche in Verbindung stehen, müssen von der Pfarrei allein getragen werden.

Da der nächste Kirchort der Pfarrei nur gut einen Kilometer entfernt ist und darüber hinaus evangelische Kirchen in der Nachbarschaft bestehen, die im Zuge einer Stadtteilpräsenz und christlicher Ökumene mit genutzt werden könnten, ist der teilweise Wegfall dieser „pastoralen Nutzflächen“ also vertretbar. Dass die Nutzungsrechte im Grundbuch verankert sind, ist dabei kein Hinderungsgrund, aktuell wird darüber zwischen Bischöflichem Ordinariat (BO) und Stadt Frankfurt verhandelt. Stimmen die Gremien der Pfarrei für den Vorschlag, so wird ein definierter Profanierungsprozess für die Kirche angestoßen, der im Bistum Limburg vorgeschrieben ist. Trotzdem will man den Kirchort nicht aufgeben: Das Vorschlagspapier der Arbeitsgruppe sieht vor, dass dort im Zuge des angedachten Neubaus der Kita ein neuer Gemeinderaum und ein moderner Andachtsraum entstehen sollen, um dort moderne Glaubens- und Gottesdienstangebote zu ermöglichen, die an anderen Kirchorten mit älteren Kirchen und Gemeindehäusern nicht oder nur schwer umsetzbar seien. Genauso werden am Kirchort St. Josef, ebenfalls im Zuge des angedachten Neubaus der Kita, zukünftig zwar verkleinerte, aber moderne Gemeinderäume weiterhin Angebote über die der Pfarrkirche hinaus vor Ort ermöglichen.

Warum nicht einfach ein Teilgrundstück verkaufen?

„Wir haben uns bewusst dagegen entschieden, Grundstücksteil  zu verkaufen, weil wir keinen Kirchort aufgeben wollen und daran glauben, dass in fernerer Zukunft hoffentlich die Flächen wieder benötigt werden“, betont die Arbeitsgruppe, die auf Zustimmung zu ihrem Vorschlag hofft. „Zudem denken wir, dass die finanzielle Gesamtsituation der kommenden Generationen in St. Franziskus noch schlechter werden wird, als es unsere heute ist. Deshalb der Ansatz, die Grundstücke in Erbpacht zu geben und durch die jährlichen Pachten zumindest einen Grundstock an Geld zu sichern, um die nötigsten Auslagen finanzieren zu können.“

Zwei Prozent Schwund jährlich

Die Pfarrei neuen Typs entstand 2015 durch den Zusammenschluss der ehemals selbständigen Pfarreien St. Josef (Eschersheim), Allerheiligste Dreifaltigkeit (Frankfurter Berg, Berkersheim), St. Christophorus (Preungesheim), Herz Jesu (Eckenheim), St. Albert (Dornbusch) und Sta. Familia (Ginnheim). Hatte man bei Gründung von St. Franziskus noch gehofft, dass die Zahl der Austritte durch die geplanten Neubaugebiete und den damit verbundenen Zuzug ausgeglichen werden könnten, musste man seit 2017 feststellen, dass die Zahl der Gläubigen von damals 21.700 (Höchststand) bis Ende 2019 schon auf 20.400 geschrumpft ist. Das sind im Jahr ca. 2 Prozent - trotz der stattfindenden Zuzüge. Dies lässt die Prognose zu, dass die Pfarrei bis zum Jahr 2050 nur noch 10.000 bis 13.500 Mitglieder haben wird.

Leider werden die unterm Strich steigenden Einwohnerzahlen dem, anders als von der Initiative „St. Christophorus soll leben“ in einem Schreiben an Prof. Dr. Hildegard Wustmans, Dezernentin Pastorale Dienste, dargestellt, dies nicht ändern. Wie die Dezernentin mit Bezug auf Zahlen des Referats „Statistik und Pastoral“ mitteilt, sorgt der Zuzug zwar für steigende Einwohnerzahlen insgesamt, diese können die Austritte in Frankfurt seit 2016 allerdings nicht mehr ausgleichen. Dazu kommt, dass der Anteil der Katholikinnen und Katholiken in der Gesamtbevölkerung stetig sinkt, dies verringert den Zuzugseffekt zusätzlich. Frankfurt hatte zuletzt vom Zuzug vieler Menschen aus stark katholisch geprägten Ländern wie Polen, Spanien, Italien oder Kroatien profitiert, dieser hat jedoch nachgelassen. Die Zahlen lassen leider keinen anderen Schluss zu als den, dass in Frankfurt und auch in Preungesheim künftig weniger Katholiken leben werden und nicht mehr.

Angebote bündeln

Der Arbeitsgruppe geht es bei seinen Vorschlägen nicht allein um das Sparen. Vielmehr herrscht nach 5 Jahren St. Franziskus die Einsicht vor, dass die pastoralen Angebote der Pfarrei schwerpunktartig gebündelt werden müssen, um damit eine erhöhte Attraktivität der Angebote im ganzen Pfarreigebiet zu entwickeln. Damit muss auch von dem „Vollversorgeranspruch“ der einzelnen Kirchorte abgegangen, knappes pastorales Personal zielorientierter eingesetzt sowie Räumlichkeiten bedarfsgerecht miteinander geteilt werden. Räume werden in St. Franziskus auch nach der Verkleinerung in St. Christophorus und St. Josef genug vorhanden sein, aber nicht mehr an jedem Kirchort für jeden Zweck. So kann ein schmerzlicher Vorschlag auch eine Chance für die Zukunft werden.

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