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Spagat zwischen Einheit und Reformen

Bischof Dr. Georg Bätzing im Gespräch beim ÖKT
Spagat zwischen Einheit und Reformen
Spagat zwischen Einheit und Reformen
Gudrun Lux und Bischof Georg Bätzing beim digitalen ÖKT-Gespräch. © C. Wagner / Bistum Limburg

Es sind aktuelle Themen, die das Publikum beschäftigen: Segnungsfeiern für gleichgeschlechtliche Partnerschaften, die Rolle von Frauen in der katholischen Kirche und der Synodale Weg. Auf alle Fragen hat der Limburger Bischof Dr. Georg Bätzing beim digitalen Gespräch während des dritten Ökumenischen Kirchentags (ÖKT) am Samstag, 15. Mai 2021, geantwortet. Deutlich wurde dabei vor allem eines: Die katholische Kirche in Deutschland befindet sich in einem Spagat zwischen der weltkirchlichen Einheit und Reformen.

Moderiert wurde das 45-minütige Live-Format von der Münchner Journalistin Gudrun Lux aus dem Webcast Studio der Deutschen Bahn, die Partnerin des dritten ÖKTs ist. Bischof Bätzing wurde aus dem Limburger Bischofshaus zugeschaltet. Die Fragen der Zuschauerinnen und Zuschauer wurden von den sogenannten „Anwältinnen des Publikums“ Nadine Mersch aus Borchen und Astrid Stephan aus Wiesbaden gesichtet und dem Bischof gestellt.

Angebot der Kirche geht an Lebenswirklichkeit der Menschen vorbei

Bei dem Gespräch ging es zunächst um die Verbindlichkeit des Synodalen Wegs und die Umsetzung von Reformen in der katholischen Kirche. Bischof Bätzing betonte, dass die Themen des Synodalen Wegs: Macht und Gewaltenteilung in der Kirche, priesterliche Existenz heute, Frauen in Ämtern der Kirche und Leben in gelingenden Beziehungen auf drei Ebenen bearbeitet würden: „Was ist uns möglich, was können wir in unserem eigenen Verantwortungsbereich entwickeln und entscheiden. Zweitens: Wo müssen wir darum bitten, kirchenrechtliche Regelungen zu bekommen, um hier weiterarbeiten zu können und drittens: Wo wollen wir Fragen auf die Ebene der Weltkirche einspielen?“ Es gebe klare Vorgaben für das Zustandekommen von Beschlüssen. Seien diese da, liege es in der Verantwortung der Bischöfe, diese in ihren Diözesen in Kraft zu setzen.

Bätzing hofft durch den Synodalen Weg von einer Zentralisierung zu einer Dezentralisierung von Antworten auf bestehenden Fragen zu kommen: „Die katholische Kirche weltweit lebt in den unterschiedlichsten Kulturen mit unterschiedlichsten Standards und wenn wir warten, bis die letzten soweit sind, Entscheidungen nach vorne zu bringen, dann wird uns das nicht gerecht. Wir sehen ja, dass sich viele Menschen die Frage stellen: Ist das, was die katholische Kirche bietet, noch Teil meiner Lebenswirklichkeit oder nicht? Und entweder koppeln sie sich ab oder sie bleiben dabei. Das ist die große Herausforderung, vor der wir stehen“, sagte der Bischof.

Gemeinsam mit Birgit Mock leitete er im Synodalen Weg zunächst das Forum „Leben in gelingenden Beziehungen – Liebe leben in Sexualität und Partnerschaft“, ein Thema, an dem sein Herzblut hängt, wie er selbst sagt. Nun sei er allerdings Mitglied des Präsidiums und damit verantwortlich für den Gesamtprozess. „Da muss ich aufpassen, dass ich mich im Laufe des Synodalen Weges nicht zu sehr auf Einzelthematiken fokussiere. Das würde dem Gesamtprozess nicht gut tun“, so Bischof Bätzing.

Hoffnung auf gemeinsames Votum für Segen von gleichgeschlechtlichen Paaren

Eine aktuelle und virulente Frage, die die Zuschauer beschäftigte, bezog sich auf die Segnungsfeiern für gleichgeschlechtliche Partnerschaften am Wochenende des 8. und 9. Mai. Diese hatten als Reaktion auf das Nein der römischen Glaubenskongregation zum Segen homosexueller Beziehungen deutschlandweit stattgefunden. Bischof Bätzing hatte sich dazu kritisch geäußert.

„Ich glaube, die theologischen Diskussionen, die geführt worden sind zur Veränderung der Grundlagen, auf denen wir eine Wertung von homosexuellen Partnerschaften vornehmen, sind verantwortbar.“ Er selbst habe im Bistum Limburg mit dem zweijährigen Prozess „Paare, die nicht katholisch heiraten können, bitten um den kirchlichen Segen. Was tun?“ die Diskussion aufgenommen, mit dem Ergebnis: „Wir schließen uns dem Vorhaben des Synodalforums vier (Leben in gelingenden Beziehungen) an. Für mich persönlich wäre es eine Symbolhandlung, wenn wir am Ende sagen würden: Wir segnen.“

Davon zu unterscheiden sei jedoch, dass die großen Segnungsgottesdienste am vergangenen Wochenende demonstrative Reaktionen auf die römische Verlautbarung gewesen seien. „Ich halte diese Initiative nicht wegweisend, denn sie wird natürlich auch als etwas Demonstratives und vielleicht sogar Provokatives aufgenommen“. Stattdessen hofft er auf ein gemeinsames Votum im Synodalen Weg und stellt klar: „Ich möchte, dass wir Partnerschaften, die in Treue und Vertrauen miteinander Leben, die dieses Leben auf dem Fundament ihres christlichen Glaubens gestalten und damit ein Glaubenszeugnis geben, den Segen Gottes schenken.“

Zudem betonte Bätzing, dass er auf das auch für ihn überraschende Nein aus Rom nicht nur ein ausführliches Interview gegeben, sondern auch an den Nuntius nach Berlin geschrieben habe. „Ich habe ihn darum gebeten, meine Meinung nach Rom zu tragen, dass das Dubium nur Stand der Lehre ist, aber uns nicht weiterbringt. Ich hätte mir gewünscht, dass in Rom ein Prozess gestartet wird, wenn solche Fragen aufkommen.“

Keine Öffnung des Priesteramts für Frauen in absehbarer Zukunft

Ein anderes wichtiges Thema, war die Frage nach der Rolle von Frauen in der Kirche. So lautete eine Frage der Zuschauenden: Was würde Bischof Bätzing einer Frau antworten, die sich zur Priesterin berufen fühlt? „Ich will ehrlich sein: Ich kann nicht versprechen, dass diese Frage innerhalb weniger Jahre geklärt sein wird. Wenn ich das vorgäbe, dann stürze ich Frauen in die Frustration herein. Wir werden auch nicht mit dem Synodalen Weg in absehbarer Zeit eine Öffnung des sakramentalen Amts für Frauen in der katholischen Kirche haben“, stellte der Bischof heraus.

Dennoch sei ihm bewusst, dass die Argumente, mit denen die katholische Kirche erkläre, warum das sakramentale Amt nur Männern vorbehalten ist, in unserer Kultur nicht mehr angenommen würden. „Und das ist das Dilemma, das ich genauso in die Weltkirche einspiele.“ Allerdings hätten die letzten drei Päpste gleichlautend gesagt, dass diese Frage nicht offen und eine Änderung daher nicht möglich sei. Deshalb will Bischof Bätzing zunächst den Blick auf die offen gestellten Fragen lenken. „Zum Beispiel die Frage: Ist das Diakonat für Frauen möglich. Dazu hat der Papst auch schon eine Kommission einberufen. Da können wir sehr wohl ein Votum geben, das diese Frage unterstützt“, so Bätzing.

Traumberuf Pastor

Bei dem Gespräch lernten die Zuschauerinnen und Zuschauer den Limburger Bischof und Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz auch persönlich kennen. So erzählte er, dass es schon in der ersten Klasse sein Wunsch gewesen sei, „Pastor“ zu werden. 1961 in Kirchen geboren und aufgewachsen in Niederfischbach an der Sieg, verbrachte Bätzing seine Kindheit mit seinen zwei älteren Brüdern und seiner jüngeren Schwester nicht weit von der Limburger Bistumsgrenze. Bei seinem Herzenswunsch, Priester zu werden, unterstützen ihn seine Eltern. Er konnte auf ein Gymnasium gehen und anschließend Philosophie und Theologie in Trier und Freiburg studieren. Anders als heute, war das Priesterseminar zu seiner Zeit noch voll. „Ich lebte mit über 100 Leuten in einem Haus. Da kommt man mit ganz vielen verschiedenen Charakteren zusammen. Dieses Miteinander mit so vielen verschiedenen Menschen hat mich menschlich und vielleicht auch geistlich reifen lassen“, sagte der Limburger Bischof. Eine besondere Rolle in seinem Leben spielt seine Familie, seine Geschwister, Neffen, Nichten und deren Kinder. „Ich und meine Familie, wir leiden daran, dass wir uns wegen der Corona-Pandemie aktuell nicht sehen können“, sagte Bätzing.

Hintergrund:

Die digitale Reihe „Im Gespräch mit…“ beim Ökumenischen Kirchentag 2021 stellt bekannte Persönlichkeiten in Gesprächen vor und bietet dem Publikum die Möglichkeit, Fragen zu stellen. Alle Beiträge sind bis Ende 2021 in der Mediathek unter oekt.de/mediathek abrufbar.

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