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„Mir fehlt der Lärm auf dem Kirchplatz“

Bonifatiuswerk-Praktikantin aus Frankfurt über ihre Corona-Erfahrungen in Schweden
„Mir fehlt der Lärm auf dem Kirchplatz“
„Mir fehlt der Lärm auf dem Kirchplatz“
Catalina Fipper aus Frankfurt. © Bonifatiuswerk

„Mir fehlt der Rummel. Gerade sonntags ist hier sonst immer irgendwie Halligalli, davon lässt sich im Moment nur träumen. Mir fehlt der Lärm unten auf dem Kirchplatz und meine Firmkinder aus der Katechese“, sagt Catalina Fipper wehmütig über ihr derzeitiges Praktikum in der schwedischen Hauptstadt Stockholm. In Zeiten von Corona hat sich auch der Alltag in St. Eugenia, der größten katholischen Gemeinde in Schweden, verändert. Dort verbringt die Studentin aus Frankfurt mit dem Bonifatiuswerk der deutschen Katholiken einige Monate ihr „Praktikum im Norden.“

Weder die englische Katechese noch die Treffen der Studierendengemeinde, die Catalina Fipper begleitet, finden aktuell statt. So sei ihr Alltag viel flexibler geworden. Das habe aber auch seine guten Seiten, denn so könne sie den katholischen Buchladen in der Gemeinde bei neuen Werbekonzepten tatkräftig unterstützen, denn dort fehlten nun auch die Kunden. „Wir haben Plakate entworfen und versucht, unsere Schaufenster besonders auffällig zu gestalten. Zudem haben wir uns Möglichkeiten überlegt, Bücher auch ohne direkten Kontakt zu uns Mitarbeitenden zu verkaufen. Eine Auswahl an Büchern liegt auf dem Kirchplatz bereit und man kann sie einfach mitnehmen und kontaktlos mit dem Handy bezahlen“, erklärt die Studentin.

Solidarität in schwierigen Zeiten

Die Solidarität miteinander sei in dieser schwierigen Zeit deutlich zu spüren. Ihre Praktikumsgemeinde habe innerhalb kurzer Zeit ein breites Netzwerk aufgestellt, um Menschen, die zur Risikogruppe gehören, mit lebensnotwendigen Dingen zu versorgen. Bei der Caritas in Stockholm, einer weiteren Einsatzstelle von Catalina Fipper, hilft sie nun beim Austragen von Lebensmitteln für Flüchtlinge und Einwanderer, die unter normalen Umständen selbst zum Caritas-Treffpunkt „Mötesplats“ gekommen wären. Mittlerweile hat dieser Ort der Begegnung wieder ein paar Stunden in der Woche offen, „damit Menschen kommen können, um Rat, ein offenes Ohr, Lebensmittel oder ähnliches zu erhalten“, sagt die Praktikantin.

Dass sich alle gut auf die Situation eingelassen hätten und die Stimmung insgesamt ernst und verantwortungsbewusst, aber nicht übermäßig panisch sei, könne Catalina Fipper bestätigen. Mit Blick auf die Entwicklungen und Maßnahmen in anderen Ländern, hatte sie den Kurs der Schweden zunächst kritisch verfolgt.

Empfehlungen statt Verbote

„Mittlerweile ist aber bei mir selbst und bei den Menschen in meinem Umfeld das Vertrauen in die schwedische Regierung gewachsen.“ Für uns Deutsche sei es nur schwer zu verstehen, dass die schwedische Regierung so wenig Verbote ausspräche, dafür umso mehr Empfehlungen. Diese würden von den Schweden aber sehr ernst genommen. „Es werden Hände gewaschen, in den öffentlichen Verkehrsmitteln wird Abstand gehalten, viele tragen Masken, alle, die es können, machen Homeoffice. Und alle, die sich auch nur leicht krank fühlen, bleiben sehr konsequent zu Hause. Ein Konzept, das in vielen anderen Kulturen wahrscheinlich so gar nicht funktionieren würde“, sagt die Studentin, die nicht daran gedacht hat, ihr Praktikum vorzeitig zu beenden.

„Wir sind dankbar, dass viele unserer Praktikanten in dieser herausfordernden Zeit sich für ihren Einsatz in den jeweiligen Einrichtungen in Nordeuropa entschieden haben. Alle Praktikanten haben zu Anfang der Corona-Pandemie vom Bonifatiuswerk die Möglichkeit bekommen, ihr Praktikum frühzeitig zu beenden. Dieses Engagement von den jungen Menschen nun zu sehen, freut uns umso mehr und zeigt, wie gelebte Solidarität über den Tellerrand hinaus aussehen kann. Ebenso dankbar sind wir für die Begleitung der Praktikanten vor Ort“, erklärt der Generalsekretär des Bonifatiuswerkes, Monsignore Georg Austen. (PM Bonifatiuswerk)

Das "Praktikum im Norden"

Das "Praktikum im Norden""ermöglicht jährlich rund 20 jungen Menschen einen Aufenthalt in Nordeuropa und dem Baltikum, um ihnen unmittelbare Einblicke in das kirchliche Leben in der Diaspora zu bieten. Es ist ein Kooperationsprogramm zwischen dem Bonifatiuswerk und dem Newman Institut im schwedischen Uppsala. Finanzielle Unterstützung erhält es vom Erzbistum Paderborn.