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Digitale Chancen genutzt, Kontroversen angepackt und Ökumene gestärkt

Ökumenischer Kirchentag 2021: Gastgebende Kirchen ziehen positives Fazit
Digitale Chancen genutzt, Kontroversen angepackt und Ökumene gestärkt
Digitale Chancen genutzt, Kontroversen angepackt und Ökumene gestärkt
Abschlussgottesdienst beim dritten Ökumenischen Kirchentag 2021 in Frankfurt. © DBK / Kopp

Bischof Bätzing: Kirchen sind enger zusammengerückt

Für den Limburger Bischof Georg Bätzing war es „richtig und wichtig“ den dritten Ökumenischen Kirchentag unter Pandemiebedingungen gefeiert zu haben. „Mit mehr als 80 Veranstaltungen thematischer Art, mit Bibelarbeiten, Gottesdiensten, Interviews und digitalen Treffen hat der ÖKT eine enorme Reichweite entwickelt und Resonanz bekommen“, sagte Bätzing nach dem Abschlussgottesdienst. Viele Menschen hätten darauf gewartet, dass die christlichen Kirchen sich zu wichtigen Zukunftsfragen der Menschen und der Gesellschaft äußerten. „Die Themen des ÖKT waren hoch aktuell. Es ging unter anderem um die Zukunftssicherung durch Klimagerechtigkeit oder um die Folgen der Corona-Pandemie weltweit. Wir haben aber auch auf die krisenhafte Situation der Kirche hingeschaut und uns mit Fragen des sexuellen Missbrauchs und mit dem Vertrauensverlust befasst“, so Bätzing. Digitalität sei beim ÖKT gelebt worden, habe aber auch viele Fragen aufgeworfen. Der Limburger Bischof ist sich zugleich sicher, dass der ÖKT mit seinen Gottesdiensten, mit gemeinsamen Gebeten, mit Impulsen und seiner Bibelarbeit viele im Glauben gestärkt habe. „Ich bin dankbar, dass wir in der Ökumene durch die Zeit der Vorbereitung und bei der Durchführung des ÖKT eng zusammengerückt sind“, lobte Bätzing. Auch dadurch sei die Vielfalt dessen, wie sich christlicher Glaube in Deutschland gestalte, zum Leuchten gebracht worden. Im Schlussgottesdienst am Sonntag sei dieses gemeinsame Zeugnis noch einmal sehr deutlich geworden. „Ich persönlich gehe mit diesen Erfahrungen sehr gestärkt in die Zukunft. Das, was immer noch trennt, werden wir offen benennen und ehrlich bearbeiten. Aber das, was uns verbindet, ist weitaus stärker. Unsere Gesellschaft wartet auf unser gemeinsames Zeugnis in den vielen Fragen, die Menschen beunruhigen und bewegen. Beim ÖKT haben wir gezeigt: Wir sind da, schaut hin, sprecht mit uns, fragt uns an. Wir sind gerne bereit, von der Hoffnung Zeugnis zu geben, die uns verbindet“, resümierte Bätzing.

Kirchenpräsident Volker Jung: Ökumenisches Miteinander vertieft

Der hessen-nassauische Kirchenpräsident Volker Jung hat ein positives Fazit des 3. Ökumenischen Kirchentags (ÖKT) mit fast ausschließlich digitalen Angeboten gezogen, der am Sonntag (16. Mai) in Frankfurt zu Ende ging. „Der Kirchentag hat die digitalen Chancen genutzt, kontroverse Themen angepackt und hat vor allem die Ökumene weiter gestärkt, sagte Jung. Die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) war gemeinsam mit dem Bistum Limburg und weiteren Kirchen Gastgeberin des ÖKT. Durch die Vorbereitung auf den Kirchentag sei „auch in der schwierigen Zeit der Pandemie in der gastgebenden Region das ökumenische Miteinander sehr vertieft“ worden. Gemeinden hätten sie sich vor Ort vorbereitet, die Kirchenleitungen hätten eng zusammengearbeitet. Das für den Ökumenischen Kirchentag komponierte Oratorium „Eins“ habe evangelische und katholische Musikerinnen und Musiker intensiv zusammengeführt. Jung: „Das ist ein Musterbeispiel gelungener ökumenischer Zusammenarbeit, die sicher über den Kirchentag hinaus fortgesetzt wird.“ Die Gottesdienste am Samstagabend mit dem gegenseitigen Willkommen bei Abendmahl und Eucharistie bezeichnete er als einen „wichtigen Schritt auf dem Weg der Ökumene“. Er hoffe, dass dies in den Gemeinden weiterwirke und auch die weitere theologische Arbeit auf dem Weg zu einer „Einheit in Vielfalt“ voranbringe.

Kirchenpräsident: Brisante Themen wie sexualisierte Gewalt angepackt – Wirkung in die Region

Kirchenpräsident Volker Jung räumte bei seinem Resumee weiter ein, dass „viele natürlich die persönlichen Begegnungen und die Atmosphäre eines Kirchentages vermisst haben. Trotzdem sei es gut gewesen, „trotz aller Schwierigkeiten durch die Corona-Pandemie am Ökumenischen Kirchentag festgehalten zu haben“. Das habe gezeigt, „dass Kirche auch in der Krise da ist“. Der vornehmlich digital ausgetragene ÖKT sei „mittendrin in allem gewesen, was wir zurzeit erleben“. Es habe sich gezeigt, dass auch digital „partizipatorisch und über alle räumlichen Grenzen hinweg intensiv an wichtigen Themen der Zeit gearbeitet werden kann.“ Dabei habe der ÖKT auch die zurzeit sehr schwierigen und kontroversen Themen angepackt. Als Beispiel nannte er die Debatten um sexualisierte Gewalt. Der Austausch habe noch einmal gezeigt, wie sehr die Kirchen in der Pflicht seien, „bei jeder und jedem Betroffenen erlittenes Unrecht klar beim Namen zu nennen, zu verurteilen und daraus Konsequenzen zu ziehen“. Außerdem müsse dringend kritisch geprüft werden, „wie die institutionelle Aufarbeitung in der Kirche verbessert werden kann“. Auf jeden Fall sei unabhängige wissenschaftliche Aufarbeitung von außen nötig, die bereits auf den Weg gebracht worden sei, so Jung. Als besonders positiv würdigte Jung schließlich das Engagement für den ÖKT in der Region. So habe es anlässlich des Kirchentags über 100 Veranstaltungen gegeben, die von gemeinsamen Andachten in Gemeinden vor Ort bis zu digitalen Schnitzeljagten via Internet gereicht hätten. Er hob dabei die Kunstinstallation „Ein Tisch“ der gastgebenden Kirchen hervor, die an der Frankfurter Hauptwache zu sehen war. Das Projekt sei zu einem „zentralen Bild“ des Ökumenischen Kirchentags geworden. Die 28mal acht Meter große und bis zu zwei Meter hohe Riesen-Tafel habe zu einem „Perspektivwechsel eingeladen, der in der Ökumene und in der Gesellschaft immer wieder dringend nötig ist.“ Jung: „Nur wer verschiedene Sichtweisen wahrnimmt, kann auch in einer zunehmend differenzierten Gesellschaft für Zusammenhalt sorgen. Wir als Kirchen wollen dazu beitragen.“ 

Präses Oelschläger: Bei Abendmahl und Eucharistie mehr als Zaungäste

Der Präses der Kirchensynode der EKHN, Ulrich Oelschläger, sieht „ökumenische Signale von Gottesdiensten und Bibelarbeiten“ in Frankfurt ausgehen. In der Frage ökumenischer Gemeinschaft bei Abendmahl und Eucharistie seien die Kirchen „ein Stück weitergekommen“. Oelschläger, der am Samstagabend an der Eucharistiefeier mit dem katholischen Stadtdekan Johannes zu Eltz in Frankfurt teilnahm, sagte: „Ich habe mich gefreut, im Dom nicht nur als Zaungast, sondern als Gast willkommen zu sein.“ Der ÖKT habe einen „Aufbruch“ markiert. Gleichzeitig sei „das Glas nicht voll, es ist aber auch nicht halb leer, sondern halb voll“, so Oelschläger mit Blick auf die Situation in der Ökumene. Oelschläger: „Das Glas zu füllen, wird noch eine Zeit dauern, aber vielleicht schaffen wir irgendwann eine Konkordie wie die Leuenberger von 1973, die über alle Unterschiede hinweg eine Abendmahlsgemeinschaft ermöglicht hat“. Oelschläger ging auch auf die anstrengende Vorbereitungszeit des Kirchentags ein. „Viele Vorbereitungen und Angebote waren für die Katz, viele engagierte Menschen wurden auch enttäuscht, kamen mit ihrer Vorbereitung nicht zum Zuge, Corona schien auch den Ökumenischen Kirchentag im Griff zu haben“, sagte Oelschläger. Aber es sei „die frohe Botschaft der letzten Tage: Er fand statt! Corona hat uns beigebracht, die Technik zu nutzen und über 100 Veranstaltungen zu retten.“

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