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11.08.2017

Kräuterweihe zu Mariä Himmelfahrt

Hilfe bei Krankheiten und Schutz vor Gefahren

FRANKFURT.- Das Hochfest „Mariä Himmelfahrt“ steht am Dienstag, 15. August, im Kirchenkalender: Seit alters her feiert die katholische Kirche an diesem Tag die leibliche Aufnahme der Muttergottes in den Himmel. Dazu lebt in den Gottesdiensten seit einigen Jahren wieder verstärkt der Brauch der Kräuterweihe auf. Auch in den Frankfurter katholischen Gemeinden gibt es traditionell am Dienstag in allen Gemeinden Gottesdienste zu Ehren Marias. Auch hier bringen viele Gottesdienstbesucher die traditionellen Kräutersträuße mit, die nach der Überlieferung sieben, neun oder 14 verschiedene Kräuter enthalten und vor Krankheit, Gefahr und Unwetter schützen sollen.

Das Fest Mariä Himmelfahrt wurzelt in der Mitte des 5. Jahrhunderts, als man den „Tag der Gottesmutter“ in Jerusalem feierte. Seit dem 7. Jahrhundert wurde das Marienfest in Rom am 15. August gefeiert, wo es heute noch ein wichtiger, auch staatlicher Feiertag ist und als „Ferragosto“ den Höhepunkt der italienischen Feriensaison markiert. Seit 813 gibt es die Festtradition auch in Deutschland. 1950 wurde der Glaube an die leibliche Aufnahme Mariens von Papst Pius XII. für die römisch-katholische Kirche zum Dogma erhoben.

Dank für die Gaben der Wiesen und Felder

Eng verbunden mit dem Hochfest Mariä Himmelfahrt ist die Kräuterweihe. Sträußchen aus Blumen, Getreide und Kräutern werden im Gottesdienst gesegnet und sollen, in der Wohnung aufgehängt, bei  Krankheiten helfen und vor Gefahren schützen. Zu allen Zeiten sind Körner und Kräuter ein wichtiger Bestandteil des menschlichen Lebens. Sie stillen den Hunger und helfen bei Krankheiten und Verletzungen. Von Beginn an verspürten die Menschen aller Kulturen das Bedürfnis, ihren Göttern an bestimmten Festen für diese besonderen Gaben der Wiesen und Felder zu danken und mit dem Segen der Gottheiten die heilende Wirkung der Pflanzen zu stärken. Als die christlichen Glaubensboten den Menschen das Evangelium verkündeten und sie zum Christentum bekehrten, gab man dem tief verwurzelten heidnischen Brauch eine neue, christliche Bedeutung. Die Kirche führte in ihren Gebeten die heilende Wirkung der Pflanzen auf den christlichen Gott und die Fürbitte der Gottesmutter zurück.

Dass man die Kräuterweihe auf das Hochfest Mariä Himmelfahrt - am 15. August - legte, mag damit zusammenhängen, dass in diesem Monat verschiedene Ähren reifen und viele Kräuter gesammelt werden können. Miteinander verknüpft wurden das Hochfest der Aufnahme Marias in

den Himmel und der Brauch der Kräuterweihe durch eine Erzählung aus der „Legenda aurea", einer aus dem 13. Jahrhundert stammenden Sammlung von Heiligenlegenden. Dort wird berichtet: Als am dritten Tag nach dem Begräbnis Mariens die Apostel ihr Grab besuchten, schlug ihnen eine Woge köstlichen Geruchs entgegen. Das Grab war verlassen. Maria war mit Leib und Seele in den Himmel aufgenommen worden. Dafür war das Grab angefüllt mit Rosen und Lilien. Rings um die Grabstätte sprossen und blühten all die bescheidenen Heilkräuter, die die Gottesmutter in ihrem Leben geliebt hatte. Die Umgebung war erfüllt mit dem wundervollen Duft der Blumen und Heilkräuter.

Das leibliche und geistliche Heilsein

Die Heilkräuter verweisen damit auch heute noch auf das leibliche wie auch geistliche Heilsein im Glauben, das in der Einheit des Menschen mit Gott in Erfüllung geht. Heilkraft und Heilung sind ein Zeichen der liebenden Zuwendung Gottes zu den Menschen. Die Heilkräuter der Natur stellen sichtbare Zeichen dieser heilenden und erlösenden Hingabe Gottes an die Menschen dar. Eine Reihe von Blumen und Kräutern werden dafür zu einem Strauß gebunden. Beim Suchen und Sammeln der Kräuter kann man die große Fülle der heilbringenden Pflanzen in der Natur entdecken und darüber staunen. Je nach Region verwendet man für den Kräuterstrauß Johanniskraut, Wermut, Beifuß, Ringelblume, Rainfarn, Schafgarbe, Königskerze, Eisenkraut, Kamille, Thymian, Baldrian, Salbei, verschiedene Getreidearten und viele andere Heilpflanzen.

Die Zahl der gebundenen Kräuter hat eine besondere Bedeutung. Bestehen die Kräutersträuße aus sieben Pflanzen ist dies ein Zeichen für die Vollkommenheit. Neun Kräuter erinnern an die Dreifaltigkeit (dreimal drei), zwölf an die Apostel und vierzehn an die Nothelfer. Den vom Priester gesegneten Kräuterstrauß stellt man zuhause auf. Er soll Hilfe in Krankheit sein und in bedrohlichen Situationen wie Gewitter vor Gefahren schützen.