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10.08.2017

Kinder willkommen

Katholische Gemeinden wollen Eltern Ängste nehmen

Spielecken und Bilderbücher für die kleinsten Gottesdienstgäste (Fotos: Nitzling/St. Markus Nied)

FRANKFURT.- Nur ein paar Sätze „an die Eltern unserer kleinen Kinder“, ohne Foto als Dreingabe, einfach eine Seite Text: Was eigentlich allen Regeln für das Buhlen um Aufmerksamkeit in den sozialen Netzwerken widerspricht, hat der Katholischen Stadtkirche Frankfurt bei Facebook (www.facebook.com/Kath.Stadtkirche.Frankfurt) einen Riesenhit verschafft.

64.000 Menschen wurden mit dem Posting erreicht, 290 Mal wurde der Beitrag geteilt. Offenbar hat der kleine Text einen Nerv getroffen: „Die Anwesenheit von Kindern (im Gottesdienst) ist ein Geschenk für unsere Kirche und eine Erinnerung daran, dass unsere Glaubensgemeinschaft wächst. Bitte heißen Sie deshalb Kinder willkommen und ermutigen Sie die Eltern mit einem freundlichen Lächeln!“ heißt es darin. Zum ersten Mal tauchte der Text in der Westminster Presbyterian Church in Charleston, South Carolina (USA), auf, übersetzt wurde er von der Katholischen Kirchengemeinde Norderney.

Lebendigkeit ist ein Gottesgeschenk

Die Verfasser geben den Eltern, die den Gottesdienst mit ihren kleinen Kindern besuchen, konkrete Tipps. Ihre Lebendigkeit sei schließlich ein Geschenk Gottes und müsse gerade im Haus Gottes nicht unterdrückt werden. Deshalb sollten die Eltern sich mit ihren Kindern in die vorderen Bänke setzen, damit die Kleinen besser sehen können, was im Altarraum passiert. Auch leise Erklärungen seien völlig in Ordnung. Wer doch einmal mit einem weinenden Kind die Kirche verlassen wolle, solle unbedingt wiederkommen. Denn die Sprösslinge sollten lernen, „dass sie in diesem Gotteshaus zu Hause sind.“ Schließlich beeinflusse die „Art und Weise, wie wir mit Kindern in der Kirche umgehen, in direkter Weise, wie sie die Kirche, Gott und einander wahrnehmen“.

Viele Eltern machen, das zeigte sich auch in den Kommentarspalten, leider andere Erfahrungen mit Kindern in der Kirche. Manche Gottesdienstbesucher zeigten allzu deutlich, dass sie sich von Kindern gestört fühlen, die auch mal herumlaufen oder an den falschen Stellen „mitsingen“.

Spielecken für den Nachwuchs 

Dabei tun gerade die katholischen Gemeinden in Frankfurt viel für den Nachwuchs. Fast in jeder Kirche gibt es eine Spielecke oder Bilderbücher, die während des Gottesdienstes mit in die Bank genommen werden dürfen. Pfarrer Anto Batinic von der Pfarrei St. Franziskus im Frankfurter Nordosten etwa ist es wichtig, dass gerade auch die älteren Gemeindemitglieder verständnisvoll auf Kindertrubel reagieren. Im Pfarrblatt und in den Vermeldungen verweist er immer wieder darauf, „dass wir eine kinderfreundliche Gemeinde sind.“

Gemeindereferentin Verena Nitzling aus St. Markus in Nied berichtet, dass die Sorge vieler junger Eltern weit verbreitet ist, ihr Kind könnte die Andacht der Erwachsenen stören. An allen Kirchorten in Nied und Griesheim gebe es deshalb Spielecken für die Kleinen, wenn doch mal eine Ablenkung nötig sei. Und natürlich finden ältere Kinder besondere Angebote, zu denen sie auch ohne Papa oder Mama gehen können, z.B. die Kinderkirche oder begleitende Kinderwortgottesdienste.

Viele andere Frankfurter Gemeinden haben nach dem erfolgreichen Facebook-Post der Stadtkirche beschlossen, einen ähnlichen Text möglichst gut sichtbar an den Eingängen ihrer Kirchen auszuhängen und immer wieder Eltern klarzumachen, dass ihre Kinder keine Störenfriede sind, sondern hoch willkommene kleine Gottesdienstbesucher. Dazu gehört aber auch der Appell an die erwachsenen und älteren Gläubigen, Kindern und Eltern mit Zuneigung und Verständnis zu begegnen. (dw)

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