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09.08.2017

Injera für den Bischof

Frankfurter Caritasverband stellt Flüchtlingsunterkunft für Frauen vor

Der Bischof zu Besuch in einer Caritas-Unterkunft für geflüchtete Frauen und ihre Kinder (Fotos: Wiese-Gutheil/Kath. Stadtkirche Frankfurt)

FRANKFURT.- Beherzt zupft der Bischof das Fladenbrot auseinander, wickelt Hähnchen mit scharfer Soße hinein und isst genüsslich mit den Fingern: Ein afrikanisches Mahl unter Freunden, dazu gehören Injera, die weichen äthiopischen Fladen aus Teffmehl, und scharf gewürzte Eintöpfe mit Rindfleisch oder Huhn, eine eritreische Kaffeezeremonie, herum springende Kinder, viel Gelächter und gute Gespräche. Genauso war es dann auch, als der Limburger Bischof Georg Bätzing am Dienstag, 8. August, in einer Flüchtlingsunterkunft des Frankfurter Caritasverbandes geflüchtete Frauen mit ihren Kindern traf.

Seit Januar sind die 16 Frauen aus Eritrea, Äthiopien, Ghana, Nigeria und Pakistan, die sich allein mit ihren Kindern auf die lange und gefährliche Flucht nach Europa gemacht hatten, in der Unterkunft im Frankfurter Stadtteil Gallus untergekommen. Mittlerweile tollen 23 Kinder – vier sind in den vergangenen Monaten hier zur Welt gekommen – im Alter von vier Wochen bis acht Jahren durch die langen Flure oder spielen im großen Innenhof. Sie strahlen vor Freude, als der Bischof in die Hocke geht, und sie gutmütig mit seinem Brustkreuz spielen lässt.

Übersetzungshilfe nicht nur für Worte 

Die älteren Kinder plappern in fast perfektem Deutsch, die Mütter tun sich noch etwas schwer. Aber auch bei ihnen zeigt der regelmäßige Deutschunterricht schon Wirkung. Ansonsten helfen die Frauen sich gegenseitig, übersetzen in verschiedene Dialekte oder fallen ins Englische. Wichtige Ansprechpartnerin ist immer auch Sebib Welday. Die junge Deutsche mit eritreischen Wurzeln ist eigentlich für die Kinderbetreuung zuständig, aber sie ist auch eine gefragte Übersetzerin, nicht nur wenn es um die richtigen Worte geht, sondern auch wenn die unterschiedlichen Kulturen Übersetzungshilfe brauchen.

„Vor allem am Anfang war es wichtig, jemanden zu haben, der die Frauen versteht“, erzählt Einrichtungsleiterin Annette Beutin. „Jetzt merken wir, wie die Frauen sich entspannen und zunehmend hier wohl fühlen.“ Dazu trägt der geschützte Raum bei, denn die Stadt Frankfurt hat nur geflüchtete Frauen mit Kleinkindern in diese Caritas-Einrichtung vermittelt. Dazu trägt aber vor allem auch die Atmosphäre bei, die Beutin und ihr Team sowie eine Reihe Ehrenamtlicher für die Bewohnerinnen geschaffen haben. Jede der Frauen bewohnt mit ihren Kindern ein eigenes Zimmer, Bäder und Toiletten werden geteilt. Es gibt im Untergeschoss eine Küche, wo die heimatlichen Gerichte zubereitet werden. Für die Originalzutaten muss man ja zum Glück im multikulturellen Gallusviertel nicht weit gehen.

Glück und Leid nah beieinander

„Alles so gut, wunderbar!“ lacht eine der Frauen, als der Bischof nach Problemen fragt. Sie seien einfach nur dankbar, hier zu sein und eine Chance in Deutschland zu bekommen, stimmen die anderen ein. Und doch fließen auch Tränen, als Bischof Bätzing behutsam nach den Fluchterfahrungen fragt, nach Familienangehörigen und dem Heimweh. Manche der Frauen mussten ihre älteren Kinder bei den Großeltern lassen, haben ihre Männer auf der Flucht verloren oder Grausames erlebt, über das sie nicht sprechen können.

„Viele Frauen müssen erst einmal wieder seelisch stabiler werden, Vertrauen fassen und sich auf das Neue hier einlassen“, erzählt Dzenita Omerovic aus dem Betreuerteam. Aber alle hofften irgendwann auf eine eigene kleine Wohnung, eine Ausbildung, einen Job – und eine sichere Zukunft für ihre Kinder. (dw)

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