Frankfurt, 01.07.2026
Bertha-von-Suttner-Friedenspreis auch für Projekt der Stadtkirche Frankfurt
Ende Juni wurde in der Jugendkirche JONA zum dritten Mal der Bertha-von-Suttner-Friedenspreis verliehen. Vorausgegangen war ein Ideenwettbewerb zum Thema „Die Waffen nieder!“, bei dem sich Schülerinnen und Schüler aus Hessen mit Bertha von Suttners berühmtem Aufruf auseinandersetzen sollten.
In diesem Jahr wurde mit insgesamt 56 eingereichten Arbeiten eine bislang beispiellose Beteiligung erreicht. Die Beiträge stammen von Schulklassen, Jugendgruppen und Einzelpersonen unterschiedlicher Altersstufen. Von Grundschulkindern bis hin zu Schülerinnen und Schülern der Oberstufe war ein breites Spektrum vertreten.
Die Teilnehmenden näherten sich dem Thema Frieden auf vielfältige Weise. Von künstlerischen Arbeiten über Kurzfilme, Interviews und Podcasts bis hin zu wissenschaftlichen Essays wurde das Thema aus unterschiedlichsten Perspektiven beleuchtet. Die inhaltlichen Schwerpunkte reichten von aktuellen globalen Konflikten bis hin zu Fragen nach Frieden im persönlichen Alltag und im zwischenmenschlichen Miteinander.
Ausgezeichnet wurden ein erster Platz mit einem Preisgeld von 500 Euro, zwei zweite Plätze mit jeweils 250 Euro sowie sechs dritte Plätze mit jeweils 100 Euro.
Neben der Preisverleihung bot eine Ausstellung Gelegenheit, die eingereichten Projekte zu betrachten, mit den Preisträgerinnen und Preisträgern ins Gespräch zu kommen und sich über die vielfältigen Ansätze auszutauschen.
Moderiert wurde die Preisverleihung von Daniel Untch, Referent für Friedensbildung, und der Frankfurter Rapperin Dascha Reimt. In ihren Laudationen würdigte sie die ausgezeichneten Projekte und präsentierte zu den einzelnen Beiträgen und Gewinnerinnen und Gewinnern coole und frei improvisierte Raptexte, die für gute Unterhaltung der Gäste sorgten.
Die Organisatoren freuen sich über die starke Resonanz und sehen darin ein eindrucksvolles Zeichen dafür, wie intensiv und qualitätsvoll sich junge Menschen mit den Themen Frieden und Krieg auseinandersetzen. Die Beiträge spiegeln die Ängste und Sorgen wider, die die aktuelle Weltlage hervorruft. Zugleich zeigen sie Zuversicht, Verantwortungsbewusstsein und die Bereitschaft, eigene Lösungsansätze für ein friedliches Zusammenleben zu entwickeln.
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Erster Platz
Kamila Khuzhamova (17 Jahre) Limesschule Altenstadt, 11. Klasse
Skulptur Soldat: Die Waffen nieder
Kamila Khuzhamova richtet in ihrer künstlerischen Auseinandersetzung mit dem Wettbewerbsthema den Blick auf den Soldaten im Kriegsdienst und an der Front.
Die aus Pappmaché gefertigte Büste erscheint auf den ersten Blick wie das Denkmal eines unbekannten Soldaten. Wer genauer hinsieht, entdeckt hinter dieser äußeren Fassade das Innere des Menschen. Durch die Öffnungen werden Symbole sichtbar, die in bewusstem Kontrast zum Krieg stehen: Familie, Liebe und Heimat. Sie verweisen auf das, was Menschen Halt gibt und zugleich auf das, was durch Krieg bedroht oder zerstört wird.
Die Arbeit überzeugt nicht nur durch ihre handwerkliche und detailreiche Ausführung, sondern auch durch ihren vielschichtigen symbolischen Gehalt. Kamila Khuzhamova reflektiert eigene Erfahrungen und Positionen und überträgt diese auf eine künstlerische Plastik. Ihre Skulptur mahnt dazu, Menschen und gesellschaftliche Themen nicht oberflächlich zu beurteilen – insbesondere dann nicht, wenn es um existenzielle Fragen wie Krieg und Frieden geht. Die Arbeit hat dadurch eine hohe aktuelle Relevanz, in der sich auch tagespolitische Debatten wie beispielsweise die neuen Regelungen zur Wehrpflicht reflektieren lassen.
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Zweite Plätze
Jan Hildebrandt und Tuna Tekin Carl-Schurz-Schule Frankfurt, Klasse 9a
Kinderbuch: Die Waffen nieder
Jan Hildebrandt und Tuna Tekin ließen sich durch den Ideenwettbewerb dazu anregen, die Botschaft Bertha von Suttners einer jüngeren Zielgruppe nahe an ihrer Realität zu vermitteln. Ausgangspunkt ihrer Überlegungen war die Beobachtung, dass kriegerische Auseinandersetzungen in vielen Bereichen der Alltags- und Freizeitkultur präsent sind und häufig romantisiert oder spielerisch dargestellt werden. Daraus entstand die Frage, wie Kinder frühzeitig für Frieden und gewaltfreie Konfliktlösungen sensibilisiert werden können.
Inspiriert von den Erinnerungen und Veröffentlichungen der Holocaust-Überlebenden Eva Szepesi entwickelten die beiden Schüler die Idee für ein Kinderbuch. Im Mittelpunkt stehen zwei Freunde, die friedliche Alternativen zu den gewohnten Spielen ihrer Mitmenschen aufzeigen und dadurch neue Perspektiven auf Zusammenleben und Konfliktlösung eröffnen.
Marie Violetta Hennige
Kurzgeschichte: Was bleibt, wenn wir gehen?
Marie Violetta Hennige erzählt auf 33 Seiten die Geschichte einer Schülerin aus Aleppo, über deren Leben der Krieg hereinbricht und die schließlich nach Deutschland fliehen muss. Das Besondere und außerordentlich Eindrucksvolle an dieser Erzählung ist die konsequente Perspektive: Die Leserinnen und Leser erleben die Geschehnisse unmittelbar durch die Augen der Protagonistin.
Die Erzählung folgt dabei keiner chronologischen Struktur, sondern nimmt die Leserinnen und Leser über Erinnerungs-Bruchstücke mit auf eine Reise die sowohl räumlich-global als auch im Inneren stattfindet. Dadurch entsteht ein außergewöhnlicher Blick auf Kriegserfahrungen, Bombardierung und Verlust – nicht aus der Distanz medialer Berichterstattung, sondern aus der sensiblen und intimen Wahrnehmung einer Betroffenen.
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Dritte Plätze
Religionskurs 10cd des Gymnasiums Nord Frankfurt
Leitung: Sina Oetken
Projekt: Fastenimpulse für den Frieden
Der Religionskurs greift die Tradition der Fastenimpulse auf und überträgt zentrale Gedanken der Bergpredigt auf aktuelle gesellschaftliche Fragestellungen. In Form eines Podcast entwickeln die Schülerinnen und Schüler zeitgemäße Denkanstöße zum Thema Frieden.
Antonio Weber Montes (19 Jahre) Carl-Schurz-Schule Frankfurt, Q-Phase
Kurzfilm: Frieden
In seinem Kurzfilm zeigt Antonio Weber Montes einen Jugendlichen, der sich angesichts der belastenden Nachrichtenlage und globaler Konflikte nach einem Ort der Ruhe sehnt. Dort setzt er sich mit der Frage auseinander, wie Frieden entstehen kann, und gelangt zu der Erkenntnis, dass Frieden zunächst im eigenen Denken und Handeln sowie im zwischenmenschlichen Umgang beginnt.
Ukrainische Samstagsschule
Frankfurt Malprojekt: Mit Farben sprechen lernen
Leitung: Dr. Brigitta Sassin, Roksolana Rakhletska, Dr. Cornelia Wegeler-Schardt
Das Projekt eröffnet Kindern aus der Ukraine die Möglichkeit, ihre Erlebnisse und Gedanken künstlerisch auszudrücken und zu verarbeiten. Die entstandenen Arbeiten zeigen eindrucksvoll, welche wichtige Rolle Kunst bei der Bewältigung traumatischer Erfahrungen spielen kann.
Fritz Bökamp
Kurzgeschichte: Die Briefe aus dem Krieg
In seiner bewegenden Kurzgeschichte schildert Fritz Bökamp die langfristigen Folgen von Krieg für das Leben einzelner Menschen, insbesondere von Kindern. Eindrücklich macht der Text deutlich, dass Krieg kein vorübergehender Zustand ist, sondern tiefe und nachhaltige Spuren hinterlässt.
Hostatoschule Frankfurt Friedensprojektgruppe Leitung: Ute Christmann
Die Friedensprojektgruppe der Hostatoschule bietet Schülerinnen und Schülern vielfältige Möglichkeiten, sich mit gesellschaftlichem Engagement und Friedensarbeit auseinanderzusetzen. Das Spektrum reicht von Besuchen historischer Erinnerungsorte über künstlerische Projekte bis hin zu Ausstellungen und öffentlichen Aktionen wie der Pflege und Würdigung von Stolpersteinen
Lea-Marie Kuhn (17 Jahre) Goetheschule Wetzlar, 12. Klasse
Essay: Der Sozialdarwinismus – Warum Angst ein schlechter Ratgeber ist
Lea-Marie Kuhn hat sich in einem theoretisch anspruchsvollen Essay intensiv mit dem inhaltlichen Kern des Friedenspreises auseinandergesetzt. Dabei analysiert sie die strukturellen, sozialpsychologischen und gesellschaftlichen Ursachen von Kriegen und Konflikten
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Der Bertha-von-Suttner-Preis 2026 wurde von folgenden Organisationen initiiert:
- Deutsche Friedensgesellschaft – Vereinigte KriegsdienstgegnerInnen Hessen
- Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft Hessen
- Katholische Jugendkirche JONA
- pax christi Rhein-Main
- Zentrum Oekumene der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau und der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck