Limburg, 29.05.2026

Die Frau mit den offenen Ohren

Seit fast einem halben Jahr ist die Frankfurterin Dr. Dewi Maria Suharjanto Bischöfliche Beauftragte und zuständig für ehrenamtliche Gremien im ganzen Bistum. Eine Aufgabe, die Geduld und Klarheit erfordert – und die viel zurückgibt.

Dewi Maria Suharjanto hat es regelmäßig mit den Größten zu tun. Doch das sind für sie keine Amtsträger, Prominente oder akademische Superstars: In den diözesanen Gremien des Bistums Limburg, für die die Frankfurterin seit Januar zuständig ist, begegnet sie Menschen, die sich mit viel Zeit und Kraft ehrenamtlich für ihr Christsein engagieren – trotz eines fordernden Alltags, trotz beruflicher und familiärer Verpflichtungen. „Das sind für mich menschliche und hilfsbereite Riesen“, sagt Suharjanto.

Seit Anfang des Jahres ist die Theologin Bischöfliche Beauftragte für den Synodalen Bereich und leitet das Diözesansynodalamt. „Synodal“ bezeichnet das gleichwertige Zusammenwirken von Amtsträgern und -trägerinnen und Gewählten in Beratung und Entscheidung in der katholischen Kirche– und das hat im Bistum seit mehr als 50 Jahren eine feste Tradition, zu der sich auch Bischof Georg Bätzing klar bekennt. Konkret ist Dewi Maria Suharjanto Ansprechpartnerin des Diözesansynodalrats, in dem ehrenamtlich gewählte Mitglieder, Priester und Diakone sowie Bischof Georg über Grundsatzfragen des Bistums beraten und gemeinsam Beschlüsse fassen, sowie für die Diözesanversammlung, die sich zu gesellschaftsrelevanten Themen positioniert. Auch für die Synodalräte auf Regionalebene ist sie gemeinsam mit ihrem Team von zwei Referent:innen und zwei Assistenzen zuständig und führt Regelgespräche mit den Geschäftsführungen der fünf Regionen. Sie sitzt im Seelsorgerat und dem Bistumsteam, dem höchsten kurialen Leitungsgremium, in dem nicht nur Rechts-, Strategie-  und Finanzfragen diskutiert werden, sondern auch ganz greifbare Themen wie multiprofessionelle Stellen oder Neuerungen im Religionsunterricht. Im nächsten Jahr stehen Pfarrgemeinderatswahlen an, für die unter anderem sie zuständig ist, außerdem berät sie zusammen mit dem Team des Diözesansynodalamtes Gemeinden anderer Muttersprache in Wahlordnungsfragen, schlichtet bei Konflikten in Pfarrgemeinderäten und begleitet als Vertrauensperson den Bischof auf Visitationen. Zuhören, zuhören, zuhören  – und immer offen und gelassen bleiben.

No pressure

Und zu allem kommt auch noch eine nicht unwesentliche Aufgabe. Denn Suharjanto soll nicht weniger als die Synodalität im Bistum „neu denken“ und die Ergebnisse der Weltsynode aufs Bistum herunterbrechen. Bis Ende des Jahres hat sie dafür Zeit, gerade ist sie dabei, ein möglichst gemischtes Team zusammenzustellen, das konkrete Empfehlungen fürs Bistum Limburg erarbeiten soll. Themenbereiche sind Rollen innerhalb der Kirche, synodale Entscheidungsstrukturen, eine moderne Ausgestaltung von Seelsorge und die Stellung von Mann und Frau.

Meine Aufgabe im Synodalen ist die einer Dolmetscherin, die Ideen in beide Richtungen transportiert. Quelle: Dr. Dewi Maria Suharjanto

2028 werden die Ergebnisse auf dem Abschlusskongress der Weltsynode im Vatikan präsentiert – und auch schon vorher dürften andere Bistümer, die gerade ebenfalls dabei sind, ihre Schlüsse aus der Weltsynode zu formulieren, mit Interesse hinschauen; immerhin hat das Bistum Limburg von allen deutschen Bistümern die langjährigste Geschichte mit der Synodalität.

No pressure also für die Bischöfliche Beauftragte? „Druck oder besser gesagt Respekt habe ich bei jeder neuen Aufgabe gespürt und finde das auch angemessen, einfach weil es eine große Verantwortung ist“, sagt die gebürtige Aachenerin. Dabei kommen ihr persönliche Stärken zugute, die sie in vielen Berufsjahren in der universitären Forschung und akademischer Bildungsarbeit geschärft hat. Und die sie auch darüber hinaus in der diakonischen Seelsorge entwickeln konnte, zum Beispiel als Seelsorgerin im Gefängnis und als Streetworkerin in Köln. In den Niederlanden arbeitete sie mit an Demenz erkrankten Menschen, in ihrer Gemeinde engagierte sie sich in der Kinderkatechese. Und überall traf sie auf „gute Leute“ im Ehrenamt. „Meine Aufgabe im Synodalen ist die einer Dolmetscherin, die Ideen in beide Richtungen transportiert“, formuliert Suharjanto. Für die tägliche Arbeit bedeute das einen Mix aus theologischen Grundsatzfragen, Management und Operativem – „das mag ich, denn ich kann komplexe Fragestellungen gut in Konzepte bringen.“ Wichtig ist dabei eine feste Rollensicherheit. „Die kenne ich aus meiner langjährigen Arbeit für die Frankfurter Akademie im Haus am Dom, denn auch dort war ich bei Veranstaltungen Moderatorin und keine Referentin. So ist es auch in den synodalen Gremien, und darauf lege ich auch Wert – sonst wird man übergriffig“, sagt sie.

Der zugespülte Kalender

Bevor die Theologin und Ethikerin auf ihre jetzige Stelle kam, leitete sie gut ein Jahr lang den Fachbereich Dialog und Kultur im Bereich Pastoral und Bildung im Bischöflichen Ordinariat. Auch diese Stelle war fordernd. „Aber als ich im Januar mit dem angefangen habe, was ich jetzt tue, ist innerhalb von drei Tagen mein Kalender derart zugespült worden, dass ich sprachlos war“, erinnert sie sich. Mittlerweile weiß sie, zu sortieren und zwischen den zahlreichen Besprechungen und Terminen Lücken zu finden, um nicht nur planen, sondern auch umsetzen zu können.

Für ihre Aufgaben ist Dewi Maria Suharjanto mit einer vollen Stelle zuständig – ein Novum im Bistum, denn zuvor wurde das Synodale meist von leitenden Priestern „mitverwaltet“. Zuletzt war Prof. Dr. Hildegard Wustmans zuständig, mittlerweile Bischöfliche Bevollmächtigte. Dass Bischof Bätzing nun die erfahrene Theologin und Moderatorin mit voller Kraft auf diese Aufgabe konzentriert, ist ein deutliches Bekenntnis zur Synodalität.

Und folgt einer guten Tradition: „Das Bistum Limburg ist bei Synodalität schon immer Vorreiter gewesen“, sagt Suharjanto – nicht ohne Selbstbewusstsein, denn das Bistum, das sich von der Lahn über den Westerwald, Wiesbaden, den Rheingau, den Taunus und die Großstadt Frankfurt erstreckt, war das Erste in Deutschland, das Laien eine so große Bedeutung einräumte. Ein altes Foto macht deutlich, was das für die wichtige Teilung der Macht in der Kirche bedeutet: „Es gibt ein Bild von Bischof Wilhelm Kempf bei der Unterzeichnung der ersten Synodalordnung – und um ihn herum Priester und Laien gemeinsam, aufrecht und auf Augenhöhe.“ Bischof Kempf, von 1949 bis 1982 Bischof von Limburg und vielen eher als  zurückhaltend bekannt, schickte das Bistum so auf den Weg zu einer Kirche aller Christen. Heute gilt die Synodalordnung als Verfassung des Bistums.

Dewi Maria Suharjanto wird keine Langeweile haben – weder in diesem Jahr noch in den Folgejahren. Ihr Kalender sei so durchgetaktet, dass sie heute schon wisse, was sie kommendes Jahr im August mache, erzählt sie. Zugleich schöpft die Bischöfliche Beauftragte aus diesen Terminen vor allem in Begegnung mit engagierten Ehrenamtlern viel Kraft. Die ist nötig, um motiviert zu bleiben. Auch wenn die Kirche schrumpft und das Bistum Limburg sparen muss – „die Austrittszahlen sind ja nachvollziehbar“ – lehnt sie es ab, sich in Akzeptanz einzufinden. „Nur weil wir keine Volkskirche mehr sein können, können wir trotzdem noch eine tolle Kirche sein“, unterstreicht sie. „Es ist genau der richtige Zeitpunkt, um Kirche nochmal neu zu denken.“

Zur Person

Dr. Dewi Maria Suharjanto ist promovierte Theologin mit dem Schwerpunkt Ethik. Ergänzend absolvierte sie zahlreiche Weiterbildungen, unter anderem in Mediation, Führung und Kommunikation. Beruflich war sie viele Jahre in Wissenschaft, Lehre und kirchlicher Erwachsenenbildung tätig. Von 2006 bis 2024 arbeitete sie an der Katholischen Akademie Rabanus Maurus in Frankfurt, seit 2012 in Mitverantwortung für das Gesamtprogramm. Lehraufträge und Lehrstuhlvertretungen im Bereich der Theologischen Ethik gehörten ebenso zu ihrem Profil wie umfangreiche Vortragstätigkeiten. Im Bistum Limburg leitete sie das MHG-Folgeprojekt „Betroffene hören – Missbrauch verhindern“. Zudem war sie in verschiedenen Kontexten des Synodalen Weges tätig. Seit Oktober 2024 leitet sie den Fachbereich Dialog und Kultur im Bereich Pastoral und Bildung im Bischöflichen Ordinariat. Mit ihrer Ernennung zur Bischöflichen Beauftragten für den Synodalen Bereich widmet sie sich seit Januar 2026 ausschließlich der Weiterentwicklung und Stärkung synodaler Strukturen im Bistum Limburg. Weitere Informationen zur Synodalität im Bistum Limburg: https://synodal.bistumlimburg.de.

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