Frankfurt, 21.07.2026
Bartholomäusplakette mit Akzent auf Demokratie und Ökumene
Die Bartholomäusplakette für besonderes ehrenamtliches Engagement geht in diesem Jahr an das Café Deutschland sowie Matthias Copray, den ehrenamtlichen Leiter der in Frankfurt ansässigen Initiative action 365. Damit hat die katholische Stadtkirche, die den Preis jährlich vergibt, sich bewusst für zwei ökumenisch getragene Projekte entschieden, die dazu für Nachhaltigkeit und Demokratie stehen. Das heben Christiane Moser-Eggs und Michael Thurn, die Doppelspitze in der Leitung der katholischen Stadtkirche, hervor. „Die Auswahl zeigt, wie wichtig das Gemeinsame in einer Stadt wie Frankfurt ist. Menschen, die gute Ideen haben, verdienen unsere Unterstützung, damit sie noch mehr bewirken können“, sagt Christiane Moser-Eggs. Michael Thurn ergänzt: „Mit der Plakette würdigen wir Engagement, das Barrieren abbaut und sozialen Zusammenhalt stiftet. Oder wie es der Stadtsynodalrat in den Vergabekriterien formuliert hat: durch das Spuren des Reiches Gottes erfahrbar werden.“
Engagement seit einer Dekade
Dass das Café Deutschland in diesem Jahr mit der höchsten Auszeichnung der Katholischen Stadtkirche geehrt wird, passt gut. Denn das ökumenische Sprachcafé bietet seit 2016 Menschen mit Flucht- und Migrationserfahrung einen offenen und niedrigschwelligen Raum zum Deutschsprechen – und feiert somit in diesem Jahr sein zehnjähriges Bestehen. „In dieser Zeit ist ein dauerhaftes Angebot entstanden, das Menschen unterschiedlicher Herkunft zusammenbringt, Begegnungen ermöglicht und einen Beitrag zur sprachlichen und gesellschaftlichen Teilhabe in Frankfurt leistet“, schreibt Lisa Verheyen, Referentin für Sozialpastoral bei der Stadtkirche, die das Projekt für die Bartholomäusplakette vorgeschlagen hat. „Was als Reaktion auf die gestiegene Zahl geflüchteter Menschen in Frankfurt entstand, hat sich über die Jahre zu einem festen und verlässlichen Angebot entwickelt.“
Rund 50 Menschen engagieren sich ehrenamtlich. Im Mittelpunkt stehe nicht der klassische Sprachunterricht, sondern die Möglichkeit, die deutsche Sprache im Gespräch anzuwenden und zu üben. Denn gerade das freie Sprechen komme in Sprachkursen oder beim Lernen zu Hause häufig zu kurz. „Café Deutschland schafft hierfür einen geschützten Rahmen, in dem Menschen ohne Leistungsdruck miteinander ins Gespräch kommen, Sprachbarrieren abbauen und mehr Sicherheit im Alltag gewinnen können“, so Verheyen. So sorgt Café Deutschland für eine wichtige Grundlage der Demokratie: Wer sich informieren und ausdrücken kann erschließt sich den Zugang zu Bildung, beruflicher Teilhabe und Mitbestimmung.
Die Ehrenamtlichen, deren Engagement mit der Bartholomäusplakette gewürdigt wird, haben dabei eine besondere Verantwortung: „Auch wenn der Fokus auf dem Deutschsprechen liegt, entstehen im Austausch immer wieder Situationen, in denen die Ehrenamtlichen bei alltäglichen Fragen unterstützen. So werden gelegentlich Briefe erklärt, Formulare gemeinsam angeschaut oder Hinweise zu weiteren Anlaufstellen gegeben.“
Heute findet Café Deutschland an fünf Standorten in Frankfurt statt: in den katholischen Gemeinden Sankt Ignatius und Sankt Bernhard sowie in der evangelischen Sankt Petersgemeinde, der Hoffnungsgemeinde und der Dornbuschgemeinde. Die Treffen werden von engagierten Ehrenamtlichen getragen, die Woche für Woche ihre Zeit, ihre Erfahrung und ihre Offenheit einbringen. Infos und Kontakt gibt es auf der Seite der Caritas Frankfurt unter https://kurzlinks.de/cafedeutschland.
Engagement 365 Tage im Jahr
Gemeinsam mit Café Deutschland wird Matthias Copray ausgezeichnet, der seit vielen Jahren ehrenamtlich die ökumenische Bewegung action 365 mit Sitz in der Kennedyallee leitet. Seit den 1950er Jahren engagieren sich evangelische und katholische Christinnen und Christen jeden Tag im Jahr (365) biblisch inspiriert an der Veränderung der Welt mitzuarbeiten (action). Zu der seit jeher ökumenischen action 365 gehören ein kleiner christlicher Verlag, die Unterstützung von Kaffeebauern in Lateinamerika durch genossenschaftlichen Kaffeeverkauf und Projekte für eine ökumenisch und interreligiös ausgerichtete Glaubenskommunikation.
So unterhält action 365 eine kostenlose App mit christlichen Impulsen und vergibt jährlich den Becker-Staritz-Preis für besonderes, sozialpastorales Engagement in konkreten Projekten und studentischen Abschlussarbeiten. Zu den großen, nach außen aber kaum sichtbaren Projekten gehört, dass die Stiftung 14 Angehörige der Roma-Bevölkerung aus der Ukraine im Zuge des dortigen Krieges in ihr Gebäude aufgenommen hat, weil für diese besonders diskriminierte Gruppe unter den Ukraine-Flüchtlingen sonst keine Hilfsangebote bestehen.
„Die Stiftung hat also ein breites Spektrum des Engagements und ihre Leitung, Matthias Copray, engagiert sich dabei vollständig ehrenamtlich“, schreibt Prof. Dr. Wolfgang Beck, Rektor der Hochschule Sankt Georgen, der das Projekt für die Bartholomäusplakette vorgeschlagen hat. „Die action 365 ist eine Gründung von Jesuiten, versteht sich aber als überkonfessionell und ist deshalb auch kein kirchlicher Verband. Sie zeigt, dass es christliches Engagement mit großer Wirksamkeit auch neben den verfassten kirchlichen Strukturen der Diözesen geben kann.“ Weitere Informationen gibt es auf https://www.action365.de.
Hintergrund
Erstmals kann die Bartholomäusplakette in diesem Jahr nach einer Anpassung der Auswahlkriterien auch an Gruppen und Projekte vergeben werden, nicht wie bisher nur an engagierte Einzelpersonen. Mögliche zu Ehrende werden vom Synodalrat beschrieben als „Personen, Gruppen oder Initiativen, deren Engagement Spuren des Reiches Gottes erfahrbar macht“. Bei den Vorgeschlagenen müssen jeweils außergewöhnliche Verdienste oder Leistungen vorliegen, die in Bezug zu einem stadtkirchlichen Thema stehen und über das übliche Maß an freiwilligem Engagement hinausgehen. Vorschläge konnten vorab über die Gremien der katholischen Stadtkirche eingereicht werden.