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Teil eines großen Ganzen: die Wahlkapelle im Frankfurter Dom

Bauarbeiten an der Wahlkapelle beginnen
Teil eines großen Ganzen: die Wahlkapelle im Frankfurter Dom
Teil eines großen Ganzen: die Wahlkapelle im Frankfurter Dom
Leergeräumt und auf die Renovierung wartend, die Wahlkapelle © D. Wiese-Gutheil/Kath. Stadtkirche Frankfurt

Im Zentrum der Frankfurter Innenstadt steht der Kaiserdom St. Bartholomäus, der größte Sakralbau der Stadt. Und darin findet sich eine kleine Kapelle mit großer historischer Bedeutung: Die so genannte Wahlkapelle diente zwischen 1420–30 erst als Stiftsbibliothek, seit 1438 wurden hier die Könige, seit 1562 auch die Kaiser des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation gewählt. Jetzt beginnen die Umbauarbeiten.

„Der Dom mit der Wahlkapelle gehört zur Kulturgeschichte der Stadt Frankfurt am Main. Aus diesem Grund ist es mir ein persönliches Anliegen die Innenstadtkirchen zu erhalten. Im Rahmen der notwendigen Renovierungsarbeiten im und um den Dom wollen wir die kostbare Reliquie des Apostels Bartholomäus an einem besonderen Ort platzieren und auch gleichzeitig einer breiteren Öffentlichkeit einen besseren Zugang zur Reliquie ermöglichen“, kündigte Bürgermeister und Kirchendezernent Uwe Becker am Dienstag, 4. Juni, an. „Das ist in der Wahlkapelle sehr gut möglich.“

Frankfurt war in der Goldenen Bulle Karls IV. von 1356 als Ort der Königswahl festgelegt worden. Seit der Zeit Maximilians I. galt der von den Kurfürsten zum König Gewählte auch ohne Zustimmung und Krönung durch den Papst als Erwählter Römischer Kaiser. In der Folge galt die Königs- zugleich als Kaiserkrönung. Diese Tradition endete erst mit der Auflösung des Heiligen Römischen Reichs Deutscher Nation.
 

Neue Glasvitrine für die Apostelreliquie

Geplant ist, bei den nun beginnenden Baumaßnahmen den Altar an eine neue Position zu setzen. Ein besonderes Augenmerk liegt dabei auf der Aufwertung des Materials. Der ursprüngliche, für die Region typische, rote Mainsandstein wird aber beibehalten. Mit größter Sorgfalt wird der Altar neu errichtet, um unter anderem die Fliesen im Altarbereich zu erhalten. Neben dem Altar entsteht zudem eine Sockelstele, die das Altarbild trägt und ebenfalls aus Mainsandstein besteht. Hierauf liegt eine massive, brünierte Stahlplatte, die an beiden Seiten der Sockelstele auskragt und den Unterbau des Altarbildes bildet. Diese Konstruktion entspricht in seiner Anmutung einer Predella. Im oberen Mittel der Stele ist eine Glasvitrine als Schrein für die Reliquie des Apostels Bartholomäus vorgesehen. Die Schädeldecke des Apostels Bartholomäus gehört in Deutschland zu den wertvollsten Reliquien.

An der Tür zum Altarraum des Doms wird ein Hochparterre aus Mainsandstein errichtet. Die Stufen in diesem Bereich werden überbaut. Das Hochparterre dient als neuer Orgelstandort und erhält ein umlaufendes Geländer aus brüniertem Stahl. Neben den Leuchten werden auch die Stühle im Kapellenraum erneuert, die aus Holz gefertigt zum Sitzen und Knieen einladen.

Die Stadt und ihre Dotationskirchen

Die Stadt Frankfurt hat zu ihren Innenstadtkirchen eine besondere Beziehung. 1830 erklärte die Freie Stadt Frankfurt, damals ein souveräner Staat, sich bereit, die Kosten für „die Kirchengebäude und Zugehörungen wie die Orgel und dergleichen fortwährend in gutem Stand [zu] halten“. Das war der Beginn der Dotationsverpflichtung, die bis heute Bestand hat und in Deutschland einmalig ist. Sie umfasst den St. Bartholomäus-Dom, die Alte Nikolaikirche, das Dominikanerkloster, die Liebfrauenkirche, die St. Peterskirche, die St. Leonhardskirche, die St. Katharinenkirche und die Dreikönigskirche in Sachsenhausen.