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Rheingau: Pfarrer i. R. Otto Franzmann gestorben

Einer der wenigen verheirateten katholischen Priester
Rheingau: Pfarrer i. R. Otto Franzmann gestorben
Rheingau: Pfarrer i. R. Otto Franzmann gestorben

Nach langer und schwerer Krankheit ist Pfarrer Otto Franzmann am Samstag, 22. Juni, im Alter von 79 Jahren in Eltville gestorben. Zu seinen Stärken zählten die zeitgemäße, exegetisch-fundierte und zugleich verständliche und Impulse gebende Auslegung des Wortes Gottes, heißt es in einem am Mittwoch, 26. Juni, veröffentlichten Nachruf des Bistums Limburg. Franzmann erregte aber auch Aufsehen, weil er einer der ganz wenigen katholischen Priester war, die verheiratet und Familienväter waren.

Otto Franzmann wurde 1939 in Essen geboren. Nach dem Abitur ab studierte er evangelische Theologie in Münster, Göttingen und Bonn und konvertierte 1962 in die altkatholische Kirche. Dort empfing er 1964 in Bonn die Priesterweihe. Sein Dienst als Vikar führte ihn zunächst zur altkatholischen Kirchengemeinde in der Schlosskirche in Mannheim und dann nach Frankfurt mit der dazugehörenden Diaspora in Oberursel, Bad Homburg, Butzbach, Friedberg und Fulda. 1966 heiratete Franzmann, da die altkatholische Kirche kein Zölibat für Priester kennt.

Katholisch mit Genehmigung des Papstes

Aufmerksam beobachtete Franzmann die theologischen Entwicklungen und Aufbrüche nach dem  Zweiten Vatikanischen Konzil und setzte sie in Beziehung zur altkatholischen Kirche. Ein langer Prozess des Nachdenkens führte ihn schließlich zur Entscheidung, den damaligen Limburger Bischof  Wilhelm Kempf um Aufnahme in den Klerus des Bistums zu bitten. Diesem Wunsch entsprach der Bischof 1971 nach einer persönlicher Genehmigung von Papst Paul VI.

Zunächst war Otto Franzmann im Bischöflichen Ordinariat als Referent bzw. Leitender Referent für Familienseelsorge tätig. Im Jahr 1973 übertrug ihm der Bischof die Frankfurter Pfarrei Maria Hilf, zunächst als Pfarrverwalter, ab 1976 als Pfarrer. 1982 wechselte er in den Rheingau und fand im Oestricher Pfarrhaus schnell eine neue Heimat. Die Gläubigen in den anvertrauten Gemeinden St. Martin in Oestrich und Mariä Himmelfahrt in Hallgarten lernten ihn schätzen, auch wenn sich manche in den ersten Wochen etwas schwer damit taten, dass nun eine Pfarrfamilie mit drei Kindern im Pfarrhaus wohnte.

Die Schönheit der Liturgie

In Oestrich ließ er die Pfarrscheune zum Pfarrzentrum umbauen und initiierte die umfassende Renovierung der Pfarrkirche St. Martin. Getragen vom Vertrauen des Klerus und der Pastoralen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter war er drei Jahre lang, von 1989 bis 1992, Dekan im Dekanat Eltville, ab 1992 dann Bezirksdekan des Bezirkes Rheingau. Zehn Jahre lang übte er dieses Amt aus und war dem Bischof ein loyaler, weltoffener und den Menschen zugewandter Vertreter vor Ort.

Zum 1. Januar 2000 wechselte Pfarrer Franzmann nach Geisenheim und wurde dort sowie in Johannisberg Pfarrer. Zusätzlich leitete er die Pfarreien in Stephanshausen und Presberg, zunächst als Pfarrverwalter, später als Leitender Priester. Auch auf diesen Stellen hatte er als Seelsorger und Gesprächspartner, als Vorsitzender der Verwaltungsräte und Leiter eines großen Pastoralteams eine hohe Verantwortung inne. All diesen Aufgaben stellte er sich trotz mancher gesundheitlicher Beeinträchtigungen in beeindruckender Weise und war hoch engagiert. In Johannisberg passte er die Schloss- und Pfarrkirche St. Johannes der Täufer behutsam den liturgischen Erfordernissen des letzten Konzils an, in Geisenheim und Johannisberg entstanden unter seiner Obhut zwei neue Pfarrzentren.

Ein großes Anliegen war ihm die würdige Feier der Liturgie. Große Sorgfalt und Liebe verwandte er auf die Gestaltung liturgischer Räume, weil er darum wusste, dass in der Schönheit der Liturgie dem Menschen etwas von der Schönheit Gottes aufgehen kann. 

Zum 1. November 2008 trat Pfarrer Franzmann in den Ruhestand und zog nach Eltville. Soweit es seine Kräfte zuließen, verrichtete er weiterhin priesterliche Dienste in den umliegenden Gemeinden. Am 29. Juni 2014 konnte er sein Goldenes Priesterjubiläum feiern.

Das Bistum dankt, wie es in dem Nachruf heißt, Pfarrer Franzmann für sein Wirken im Bistum Limburg. Besonderer Dank gelte seiner Ehefrau: „Sie hat neben der gemeinsamen und verantwortungsvollen Erziehungsaufgabe an den drei Kindern in all den Jahren seinen seelsorglichen Dienst mit allen Kräften unterstützt. Ihr und der gesamten Familie gilt unsere Anteilnahme.“

Die Beisetzung erfolgt am Freitag, 28. Juni 2019, um 10:00 Uhr auf dem Friedhof in Eltville, Schwalbacher Straße. Anschließend wird das Requiem für den Verstorbenen in der Pfarrkirche St. Peter und Paul in Eltville, Kirchgasse 1 gefeiert.