Kategorien &
Plattformen

Mit Trost und Gottvertrauen ins neue Jahr

Bischof Dr. Georg Bätzing predigt zum Jahresabschluss im Frankfurter Dom
Mit Trost und Gottvertrauen ins neue Jahr
Mit Trost und Gottvertrauen ins neue Jahr
Bischof Georg Bätzing predigte zum Jahresabschluss traditionell im Frankfurter Bartholomäus-Dom. © J. Quirmbach/Bistum Limburg

Der Glaube gibt Halt. Davon ist Bischof Dr. Georg Bätzing am Ende des herausfordernden Corona-Jahres überzeugt. Die Zeit habe einen Ruck gemacht. Gute Gewohnheiten seien durchbrochen worden und der Alltag vieler Menschen sei durch die Pandemie ganz anders geworden, als er zum Jahresbeginn geplant worden war, sagte der Bischof von Limburg in seiner Predigt zum Jahresabschluss am Donnerstag, 31. Dezember, im Frankfurter Bartholomäus-Dom. 

„Spätestens mit dem Lockdown im Frühjahr wurde mir wie den meisten von uns bewusst: „Hier kommt etwas Unvergleichbares auf uns zu. Eine Krise ungeahnten Ausmaßes. Eine Gefährdung in vielerlei Hinsicht. Und das fordert neben der Bereitschaft zu Einschränkungen und Opfern in der persönlichen Lebensgestaltung vor allem auch eine besondere Aufmerksamkeit für das, was sich bei mir und bei anderen ereignet“,  so Bätzing. Auch wenn mit den ersten Impfungen viele Hoffnungen verbunden seien, sei die Corona-Krise noch lange nicht überwunden. Es sei auch noch nicht klar, wie lange man an den Folgen der Pandemie zu „knabbern“ habe. Doch wie wird die Zeit nach Corona sein? Wird man einfach wieder in den Normalbetrieb übergehen, fragte Bätzing. Er sei sehr dafür, die Krise zu nutzen, um zu lernen, mit Veränderungen umzugehen und so zu einem besseren Leben, zu Entschleunigung, Solidarität und größerer Gerechtigkeit beizutragen.

Unterschiedliche Wahrnehmungen von Zeit

Laut einer Online-Umfrage, so der Bischof, hätten nur knapp 20 Prozent unter 600 Erwachsenen den Eindruck, dass die Zeit des Jahres 2020 in normalem Tempo verstrichen sei. Für rund 40 Prozent sei die Zeit schneller als normal vergangen. Ähnlich hoch wäre der Anteil der Befragten gewesen, die den Verlauf der Zeit langsamer wahrgenommen hätten. „Veränderungen im täglichen Leben haben also einen deutlichen Einfluss auf unsere Zeitwahrnehmung. Und diese ist im Unterschied zur Wahrnehmung von Gegenständen und Ereignissen nicht an unsere Sinnlichkeit gebunden. Zeit braucht offensichtlich Orientierung“, sagte Bätzing. Wie der Mensch die Zeit in ihrer Qualität empfinde und ihre Dauer im Rückblick einschätze, hänge vom Grad der Aufmerksamkeit ab, die er der Zeit gewidmet habe. Je größer die Ablenkung, desto schneller vergehe die Zeit. Diejenigen, die während des ersten Lockdowns wenig zu tun gehabt hätten und deren Alltagsroutinen gestört gewesen wären, hätten die Zeit langsamer wahrgenommen, weil sie ihr mehr Aufmerksamkeit schenken konnten. Angst und Ungewissheit zeigten einen ähnlichen Effekt. Andererseits sei die Pandemie durch so viele ungewöhnliche Ereignisse und Nachrichten geprägt, dass man den Eindruck habe, der Beginn liege weit in der Vergangenheit zurück. Orientierungspunkt draußen und die innere Uhr des subjektiven Zeitempfindens seien mithin entscheidend, warum Menschen diese außergewöhnliche Zeit so anders empfänden. 

Die Zeit geht auf in Gottes Ewigkeit

Gottesdienste zum Jahresabschluss seien vielen Menschen besonders wichtig. „Denn für Menschen, die an Gott und seine die Zeit bergende Ewigkeit glauben, ist das die Grundorientierung unseres Lebens, und sie wirkt sich natürlich auch auf unser Zeitgefühl aus. Der Glaube gibt Halt. Das habe ich in dieser Krisenzeit deutlich erfahren und viele Menschen haben es mir im persönlichen Gespräch oder auf andere Weise mitgeteilt“, betonte Bätzing. Nicht zuletzt deshalb sei die freie Ausübung der Religion auch in einer bunten gesellschaftlichen Wirklichkeit ein so hohes Gut. 

Der Bischof habe in den vergangenen Monaten oft über den Anfang eines Morgenhymnus aus dem vierten Jahrhundert nachgedacht, in dem es heiße: „Ewiger Schöpfer aller Dinge, der du Nacht und Tag lenkst und die Zeiten der Zeiten gibst, um den Überdruss zu erleichtern“. Der Autor, der Mailänder Bischof Ambrosius, habe die Zeit trefflich erfasst, nämlich im Spiegel der Ewigkeit wie im menschlichen Empfinden. „Das mindert die Herausforderungen nicht, die Sorgen erscheinen vielleicht noch drängender, dem Menschenmöglichen werden die Grenzen aufgezeigt, uns wird die schöpferische Kraft unseres Könnens bewusst und doch entspringt aus der Einsicht, in Gottes Treue geborgen zu sein, große Dankbarkeit. So erschließen sich dem Zeitempfinden gläubiger Menschen ungeahnte Dimensionen“, erklärte der Bischof. Die Zeit gehe auf in Gottes Ewigkeit. Dies könne allen Menschen zum Trost werden und so könne man voll Gottvertrauen ins neue Jahr starten.  

Predigt im Wortlaut
  • Jahresabschluss 2020: Predigt des Bischofs am 31. Dezember im Frankfurter Dom

Cookie Einstellungen

Statistik-Cookies dienen der Anaylse, indem Informationen anonymisiert gesammelt werden.

Anbieter:

Bistum Limburg

Datenschutz