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Ist es fair, dass Frankfurt zahlt?

Abschluss-Diskussion zur Reihe "Auf dem Weg zum ÖKT"
Ist es fair, dass Frankfurt zahlt?
Ist es fair, dass Frankfurt zahlt?
Moderator Dr. Daniel Deckers, Bischof Georg Bätzing, EKD-Ratsvorsitzender Heinrich-Bedford-Strohm und Moderator Reinhard Bingener im Gespräch (von links). © A. Zegelman / Bistum Limburg

Ist es richtig, dass die Stadt Frankfurt den für Mai geplanten 3. Ökumenischen Kirchentag weiter mitfinanziert, obwohl wegen des pandemiebedingten Ausweichen aufs Digitale kaum Besucher in die Stadt kommen werden? Diese Frage trieb zahlreiche Nutzer des Livechats am Donnerstagabend bei der Abschlussveranstaltung der Reihe „Auf dem Weg zum ÖKT“ um. Prof. Joachim Valentin, Mitveranstalter der Reihe und Direktor der Katholischen Akademie, spielte die wichtige Frage aus dem Chat ins Gespräch ein. „Es sei immer noch eine hohe Summe, die die Stadt zuschießen würde, obwohl doch die vielen tausend Teilnehmer nun ausblieben und damit auch der Nutzen für die Stadt“, zitierte Valentin, Anwalt des Publikums, den Einwand eines Online-Zuschauers.

Eineinhalb Stunden lang hatten Dr. Georg Bätzing, Bischof von Limburg und Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz, und sein evangelischer Counterpart Prof. Dr. Heinrich-Bedford-Strohm, Vorsitzender des Rates der EKD und Landesbischof der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern, zu diesem Zeitpunkt bereits lebhaft über die Lage der Ökumene und der Kirchen in Deutschland diskutiert. Bätzing ist einer der Gastgeber des ÖKTs, einem eigentlichen Großereignis, zu dem weit über 100.000 Gäste aus ganz Deutschland erwartet worden waren – bevor die Pandemielage einen Umzug ins Digitale nötig gemacht hatte. „Dass der ÖKT leider ohne große Präsenz hier in Frankfurt sein wird, bedauert auch die Stadt sehr“, sagte Bätzing. Natürlich sei man im Gespräch miteinander und habe das Programm in enger Abstimmung geplant. Doch die Kosten seien durch die andere Art der Durchführung nicht automatisch kleiner geworden.

Bitte an die öffentlichen Zuschussgeber

„Allein das Umswitchen auf die digitalen Formate hat nochmal erheblich gekostet“, erklärte der Bischof von Limburg. Man könne im Moment beim besten Wissen und Gewissen nicht sagen, was der ÖKT tatsächlich kosten werde. „Deshalb war unsere Bitte an die öffentlichen Zuschussgeber, doch zunächst einmal dabei zu bleiben“, so Bätzing. Er versicherte: „Wir geben keinen Cent mehr aus, als wir müssen. Und das wird sich auch auf die Zuschussgeber auswirken.“ Die Stadt Frankfurt ist eine von zahlreichen öffentlichen Zuwendungsgebern, auch Partner, Spender und Sponsoren sitzen mit im Boot (Übersicht auf der ÖKT-Seite).

Zugesagtes Geld nicht ausschöpfen

Wie viel Frankfurt am Ende zahlen wird, lässt sich zum jetzigen Zeitpunkt tatsächlich nicht sagen. Ursprünglich war der ÖKT mit einem Gesamthaushalt von fast 25 Millionen Euro geplant worden, die Stadt Frankfurt hatte daraufhin eine Finanzierungszusage über 3,9 Millionen Euro plus 1 Millionen Euro Sachkosten gegeben, sagt ÖKT-Pressesprecher Mario Zeißig auf Nachfrage der Haus-am-Dom-Redaktion am Freitag. Nachdem das Konzept aufgrund der neuen Sachlage Anfang des Jahres überarbeitet worden und der ÖKT-Haushalt auf unter 20 Millionen Euro reduziert worden sei, habe Frankfurt, ebenso wie alle anderen Finanzierungspartner, erklärt, sie wollten den ÖKT auch weiterhin unterstützen. „Aber es ist natürlich klar, dass wir das Geld, das uns von städtischer Seite zugesagt wurde, nicht voll ausschöpfen werden“, so Zeißig. Natürlich sei es auch für Frankfurt sehr schade, dass die erhofften Gäste nun ausblieben. „Aber für die Stadt ist es weiterhin ein gutes Marketing, sie präsentiert sich digital, die Skyline ist ja zum Beispiel beim Eröffnungsgottesdienst im Hintergrund zu sehen.“

Dass die Kosten für die Digitalversion nun dennoch bei fast 20 Millionen Euro liegen, sei der Tatsache geschuldet, dass der ÖKT zunächst analog geplant worden sei. Natürlich sei das alles wesentlich günstiger ausgefallen, hätte man von Anfang an rein digital geplant: „Aber dass eine Pandemie kommen würde, konnten wir leider nicht wissen.“ Die Kosten, die nun wegfielen, zum Beispiel fürs Reisen, würden außerdem an anderer Stelle wieder aufgewogen, vor allem das technische Nachrüsten kostet.

Ein Zeichen an die Welt

Eine vieldiskutierte Alternative zum digitalen ÖKT wäre ein Verschieben auf einen der nächsten Kirchen- oder Katholikentage in Stuttgart oder Nürnberg gewesen. Das sprach auch Moderator Dr. Daniel Deckers von der FAZ am Donnerstagabend im Haus am Dom an und wollte von den beiden Bischöfen wissen: „Wird es danach nochmal einen Ökumenischen Kirchentag geben?“

Der EKD-Ratsvorsitzende Heinrich-Bedford-Strohm im Haus am Dom antwortete leidenschaftlich: „Ich bin mir sicher, dass es auch einen vierten Ökumenischen Kirchentag geben wird, denn ich spüre da ganz viel gewachsene Gemeinschaft zwischen den Konfessionen. Wir merken doch ganz deutlich, dass uns Kirchen keiner mehr unsere Botschaft abnimmt, wenn wir uns voneinander abgrenzen.“ Man müsse zeigen, dass man auch nach 500 Jahren zementierter Ablehnung zusammenkommen könne – „das ist ein starkes Zeichen an die Welt!“ Niemand könne den Weg zurücknehmen, den die beiden Konfessionen nun eingeschlagen haben, sagte er. Das bekräftigte auch Bischof Bätzing: „Es wird künftig keinen Katholikentag oder evangelischen Kirchentag mehr geben können, der sich nicht ökumenisch versteht.“

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