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Geschöpfe des einen Gottes

Bischofskonferenz trifft Partner im christlich-islamischen Dialog
Geschöpfe des einen Gottes
Geschöpfe des einen Gottes
© JOCHEN REICHWEIN

Zum zweiten Mal trafen am Freitag, 29. März, die Deutsche Bischofskonferenz bei einem Empfang in der Jesuitenhochschule Sankt Georgen in Frankfurt mit den Partnern im christlich-islamischen Dialog in Deutschland zusammen. Der Vorsitzende der Unterkommission für den Interreligiösen Dialog der deutschen Bischöfe, der Limburger Bischof Georg Bätzing, begrüßte die rund 90 Gäste. „Wie im vergangenen Jahr nehmen wir das Hochfest ‚Verkündigung des Herrn‘ am 25. März zum Anlass, als Christen unterschiedlicher Konfessionen und als Muslime verschiedener religiöser, nationaler und kultureller Zugehörigkeiten zusammen zu kommen. Kaum ein anderes christliches Fest ist besser geeignet, ein auch theologisch geprägtes Zeichen für den christlich-islamischen Dialog zu setzen“, hob Bischof Bätzing hervor. Er betonte die besondere Bedeutung, die die Franziskaner bis heute der Begegnung mit dem Islam und den Muslimen zumessen, und derer an diesem Tage auch in Assisi selbst gedacht werde: „Die Franziskaner-Mönche in Assisi haben entschieden, den jordanischen König Abdullah II. für seine Verdienste für die syrischen und irakischen Flüchtlinge mit der Vergabe ihres Friedenslichts auszuzeichnen. Dabei handelt es sich um eine Nachbildung der gläsernen Öllampe, die am Grab des heiligen Franz von Assisi (1181/82–1226) brennt.“

© JOCHEN REICHWEIN

In seinem Festvortrag zum Thema „Als Bischof in Arabien. Franziskanische Impulse für den christlich-islamischen Dialog“ hob Bischof Paul Hinder OFMCap aus Abu Dhabi, Hauptstadt der Vereinigten Arabischen Emirate, hervor: „Im Nachgang zur Abu Dhabi Erklärung über ‚Menschliche Geschwisterlichkeit‘ (Human Fraternity) gab es kritische Stimmen aus dem katholischen Lager, die dem Papst nicht nur Naivität oder gar Senilität vorwarfen, sondern auch seine Rechtgläubigkeit in Frage stellten. Es ist natürlich das gute Recht eines jeden denkenden Menschen, Fragen auch an den Papst zu stellen. Auch wir haben uns vor Ort verwundert gefragt, warum um das Dokument im Vorfeld ein undurchdringlicher Schleier der Geheimhaltung wehte. Selbst wir, die wir Tag für Tag in einer muslimischen Gesellschaft leben, hatten keine Ahnung vom Inhalt, noch wurden wir in irgendeiner Weise konsultiert.“ Dies sei aber eine mehr politische Frage des Vorgehens bei der Erarbeitung einer solchen Erklärung.

Mit Blick auf das Leben des Franziskus von Assisi hob Bischof Hinder die Geschwisterlichkeit aller Menschen hervor: „Es verbindet uns aber der Glaube, dass wir Geschöpfe des einen Gottes sind. Ihm verdanken wir unsere Existenz. In seiner Ansprache vom 4. Februar 2019 in Abu Dhabi sagte der Papst: ‚Ausgangspunkt (Anm.: für die Brüderlichkeit) ist dabei die Erkenntnis, dass Gott der Ursprung der einen Menschheitsfamilie ist. Er, der Schöpfer von allem und allen, will, dass wir als Brüder und Schwestern leben und das gemeinsame Haus der Schöpfung bewohnen, das er uns geschenkt hat. Hier, an den Wurzeln des uns gemeinsamen Menschseins, liegt die Brüderlichkeit begründet als Berufung, ,die in dem Schöpfungsplan Gottes enthalten ist‘ (Benedikt XVI). Sie sagt uns, dass wir alle die gleiche Würde haben, und dass niemand der Herr oder Sklave anderer sein kann.‘ Auf dieser Basis baut Papst Franziskus auf und zieht die Konsequenzen für die Gestaltung der grundlegenden Werte in der Gesellschaft.“

Bischof Hinder unterstrich, dass Worte wie Toleranz und Liebe ihre Kraft behielten, solange es Menschen gebe, die sich ohne Angst gewaltlos in den Dienst der anderen stellten. „Dialog ist dann kein leeres Wort oder eine akademische Alibi-Übung, sondern gelebte Realität vor Ort. Ich selbst habe in den fünfzehn Jahren meines Wirkens auf der arabischen Halbinsel gelernt – lernen müssen! – was es heißt, in Geduld und Demut Brücken zu bauen und gegenseitiges Vertrauen zu schaffen. Dialog zwischen den Religionen läuft nicht nach dem Prinzip der Konsumgesellschaft: Alles sofort, möglichst billig! Vielmehr geht es darum, auf dem festen Grund des eigenen Glaubens auf andere zuzugehen, sich um vertieftes Verständnis der jeweils anderen Glaubenspraxis zu bemühen und sich ihnen so in Ehrfurcht und ohne Überheblichkeit zu nähern. Franziskus von Assisi hat es vor 800 Jahren vorgemacht. Papst Franziskus ist daran, es auf seine Weise heute zu tun. Haben wir den Mut, es ihnen nachzumachen?“

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