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Gemeinsam und nicht einsam

Bewohner des Konrad-von-Preysing-Hauses gründen inklusive Wohngemeinschaft
Gemeinsam und nicht einsam
Gemeinsam und nicht einsam
Uwe Munkelt im Wohnzimmer seiner inklusiven WG im Frankfurter Nordwesten © Caritasverband Frankfurt

Menschen mit und ohne Behinderung haben eine inklusive Wohngemeinschaft (WG) in Frankfurt gegründet – begleitet durch das Konrad-von-Preysing-Haus (KPH). Das KPH ist ein Wohnverbund der Caritas und bietet Menschen mit Behinderung verschiedene Wohnformen und Begleitung im Alltag. WG-Bewohner Uwe Munkelt lebte bis Ende 2017 in einer betreuten Wohngruppe des KPH. Er berichtet im Interview, was das Zusammenleben in der neuen inklusiven WG so besonders für Ihn macht und wie man sich auf ein freies Zimmer bewerben kann.

Herr Munkelt, Sie sind Mitgründer der WG. Was hat Sie an der Idee begeistert?

Naja, jeder hat sein eigenes Zimmer in das er sich zurückziehen kann. Das finde ich gut. Aber gleichzeitig haben wir auch ein großes Wohnzimmer, in dem man gemeinsam etwas machen kann, zum Beispiel abends einen Film anschauen. Man ist dann nicht so einsam wenn man das nicht möchte. Außerdem gibt es in der Wohnung noch ein großes und ein kleines Bad, eine gemeinsame Küche mit Balkon und sehr nette Nachbarn.

Sabrina Hauff hat mir von diesem neuen Angebot erzählt. Sie ist verantwortlich für betreute Wohngemeinschaften im KPH. Die Idee hat mir gut gefallen und so bin ich im Dezember 2017 als Zweiter eingezogen. Hier habe ich jetzt die Möglichkeit, viel mehr zur Ruhe zu kommen.

Das klingt ja wirklich nach einem schönen Zuhause. Was bedeutet für Sie persönlich inklusives Wohnen?

Also ich finde die Idee schön, dass man sich nicht so ausgegrenzt fühlt, sondern alle zusammen wohnen – egal wie oder wer sie sind. Zum Beispiel hat mein Mitbewohner mich mal mit zu seiner Arbeit genommen. Das fand ich sehr schön, weil es dort sehr viele Autos gab. Und ich mag Autos sehr. Im Moment wohnen wir zu viert hier: ein Student und wir drei, die durch das KPH begleitet werden. Wir suchen jetzt noch einen Bewohner ohne Beeinträchtigung, so dass unsere Wohngemeinschaft dann ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Bewohnern mit und ohne Behinderung hätte. Dann können sich alle gegenseitig unterstützen wenn sie Hilfe brauchen oder einfach jemanden zum Reden.

Wie unterstützen Sie sich gegenseitig in der WG? Wie kann ich mir das Zusammenleben vorstellen?

Mit den anderen Bewohnern, das klappt gut. Auch mit meinem Betreuer, der ist wirklich in Ordnung. Die Betreuer wohnen nicht in der WG, kommen aber regelmäßig vorbei und machen Termine mit uns, gehen mit auf Arzttermine und solche Sachen. Ein Mal im Monat findet ein WG-Rat statt, bei dem alle Bewohner anwesend sind und in dem besprochen wird, was gerade gut läuft oder wo es Schwierigkeiten gibt. Hier werden Absprachen getroffen und auch geplant, ob Unternehmungen stattfinden. Ansonsten können wir uns unsere Zeit einteilen, wie wir möchten. Ende August hat eine Wanderung stattgefunden. Die hat unser Mitbewohner, der studiert, für die ganze WG organisiert. manchmal kochen wir auch zusammen, wobei ich nicht so gerne koche, oder wir schauen Filme oder spielen Computerspiele zusammen. Wenn aber jemand seine Zimmertür zu hat, dann wissen alle, dass derjenige nun seine Ruhe möchte. Das ist auch wichtig.

Gibt es noch ein freies Zimmer in Ihrer WG und wie kann man sich bewerben?

Ja, ein Zimmer ist noch frei und wir suchen noch einen neuen Mitbewohner. Jeder, der möchte, kann sich sehr gerne bei uns vorstellen und hier wohnen. Wir haben noch ein Zimmer frei. Jeder hat sein eigenes Zimmer hier und so auch seinen eigenen Bereich, den niemand ungefragt betreten darf. Außer wenn man das möchte oder wenn man im Urlaub ist. Dann kümmern wir uns gegenseitig um unsere Pflanzen. Wer einziehen möchte, stellt sich bei allen vor und es gibt einen WG-Rat, in dem wir dann abstimmen, ob wir uns ein Zusammenleben mit dem neuen Bewohner vorstellen können.

Können Sie anderen, vielleicht noch Unentschlossenen einen Rat geben? Was ist das schönste an dieser WG?

Am schönsten für mich ist, dass jeder, der das möchte, seine Ruhe haben kann. Aber man kann auch richtig schöne Sachen zusammen unternehmen. Das macht gemeinsam einfach viel mehr Spaß als alleine.

Herr Munkelt, vielen Dank für das Gespräch.

Das Interview führte Clara Seipel, Mitarbeiterin im Bereich „Öffentlichkeitsarbeit“ des Caritasverbands Frankfurt e. V.

 

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Das Konrad-von-Preysing-Haus in Frankfurt-Sachsenhausen bietet Menschen mit Behinderung verschiedene Wohn- und Assistenzangebote. Weitere Informationen unter www.caritas-frankfurt.de/kph