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Erwachsene Theologie braucht keine „Papageien“

Frankfurter Reformationstags-Predigt zweier Stadtdekane
Erwachsene Theologie braucht keine „Papageien“
Erwachsene Theologie braucht keine „Papageien“
Gemeinsam auf der Kanzel: der katholische und der evangelische Stadtdekan © Bettina Behler/ERV

Aus dem fünften Brief Paulus an die Galater schöpften beide Stadtdekane – der evangelische und der katholische – in ihrer Predigt zum 501. Reformationsjubiläum in der Katharinenkirche: „Zur Freiheit hat uns Christus befreit“ – mit diesem ersten Satz der Bibelstelle begann sowohl der Protestant Achim Knecht als auch der Katholik Johannes zu Eltz seinen Predigtanteil.

Auf die „Causa Wucherpfennig“, die bisher nicht erfolgte Unbedenklichkeitserklärung für den wiedergewählten Rektor der in Frankfurt-Oberrad ansässigen katholischen Hochschule Sankt Georgen, Ansgar Wucherpfennig, seitens des Vatikan kam zu Eltz ohne Umschweife zu sprechen. Katholische Theologen seien keine „Papageien“, sondern sollten aus Deckung und Differenz, aus Hinterfragen, eigener Meinung, wohlwollendem Umgang mit der Theologie und anschlussfähigem Darstellen sich auszeichnen. Aus einem solchen Umgang könne eine „erwachsene Theologie“ entstehen, befand der katholische Stadtdekan Johannes zu Eltz, der nach einem Jurastudium Philosophie und Theologie an den Hochschulen Sankt Georgen in Frankfurt und am Athenaeum Sant' Anselmo in Rom studiert hatte, in seiner Predigt zum Reformationstag 2018.

Gott glaubt an mich – er hilft mir, „nein" zu sagen, er hilft mir, „ja" zu sagen – so der evangelische Stadtdekan Achim Knecht in seiner Predigt. Der Reformator Martin Luther habe mit seinem Postulat des „freien Christenmenschen“ dieses Verständnis entscheidend vorangetrieben. Diese Idee der Freiheit gelte es zu pflegen. Bei dem „Nein" gehe es zu einem beträchtlichen Teil um den Schutz der eigenen Ressourcen, aber auch um ein „Nein“ gegenüber Missständen. Auch das „Ja“ beziehe sich auf das eigene Wohl, aber auch auf die anderen, beispielsweise auf die, die um Hilfe bitten.

Groß sei die Freiheit in unserem Land, äußerte Knecht, zu leben und zu lieben, wie es gefällt, zu arbeiten, zu konsumieren, Parlamentsabgeordnete zu wählen, sich für bestimmte Freizeitaktivitäten zu entscheiden, sich eine Religion auszusuchen. Doch nicht nur in Ländern mit repressiven Regierungen habe sie Grenzen, auch hier: Weil das Geld nicht reicht angesichts steigender Mieten, weil die Gefühle die Freiheit der Entscheidung bremsen, auf Grund von erlittenen Verletzungen, erlittener Gewalt – körperlicher oder auch verbaler Art. Christinnen und Christen könnten vertrauen, „auf Gottes Gnade, die Freiheit schenkt“, sagte der evangelische Stadtdekan. Freundlich und hilfsbereit, nicht übergriffig wende Gott sich dem Menschen zu. „Er respektiert meine Grenzen. Und zugleich traut er mir zu, über mich hinaus zu wachsen.“

Musikalisch umrahmt wurde der Gottesdienst von der Bachkantate „Ich bin vergnügt in meinem Glücke“, die unter der Leitung von Michael Graf Münster aufgeführt wurde. Professor Martin Lücker begleitete den Gottesdienst an der Orgel. (Bettina Behler/Evangelischer Regionalverband)