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Die gute Ökobilanz der Armen

Das Forum Wirtschaft beschäftigt sich mit dem "Klimaschutz als Chance"
Die gute Ökobilanz der Armen
Die gute Ökobilanz der Armen
Hochkarätig besetzte Runde: Peter Niesing, Holger Krawinkel, Caroline Krohn, Gerhard Kreiner, Hannah Helmke (v.l.) © Reichwein/Bistum Limburg

Die Armen haben die bessere Ökobilanz, müssen aber die Folgen des "ökologischen Desasters“ am stärksten bezahlen: Darauf hat Bischof Georg Bätzing am Dienstag, 1. Oktober, beim Forum Wirtschaft zum Thema "Klimaschutz als Chance“ im Haus am Dom in Frankfurt hingewiesen. "Wer viel Geld hat, kann die Umwelt stärker belasten und auch besser schonen“, sagte er. Die Umweltfrage sei daher im Wesentlichen auch eine Frage der echten Solidarität und Entwicklung. Papst Franziskus habe bereits 2015 mit seiner Enzyklika "Laudato Si´“ eine Vorlage gegeben für die Verbindung von ökologischer und sozialer Frage. Heute stelle die Bewegung Fridays for Future zum Teil ähnliche Forderungen, sagte der Bischof, der in diesem Zusammenhang auch den Mut Greta Thunbergs für ihre eindeutige Rede auf dem UN-Klimagipfel anerkannte.

Ermutigung als roter Faden

Die "Ungerechtigkeit“ des Klimawandels hatte in seiner Begrüßung bereits Dr. Georg Horntrich unterstrichen. Er treffe die am härtesten, die am wenigsten dafür könnten, sagte der Studienleiter der Akademie Rabanus Maurus.  Im Mittelpunkt müsse die Lebensqualität für alle Menschen auf der Erde stehen, es gehe um einen "Strukturwandel, bei dem wir alle gewinnen können". Das Forum Wirtschaft, zu dem Horntrich rund 90 Teilnehmer begrüßen konnte, will als neues, kommunikatives Format aktuelle und drängende Fragen der Wirtschaft ansprechen und dem Dialog zwischen Kirche und Wirtschaft dienen. "Ermutigung“ war dabei der rote Faden des Premierenabends: Die Moderatorin Caroline Krohn, Gründerin und Inhaberin der Wirtschaftsdiplomaten, fasste unter diesen Begriff die Anwesenheit des Limburger Bischofs als Zuhörer und Dialogpartner ebenso mit ein wie das Konzept der Veranstaltung.

Ingenieure retetn die Welt

Dass es tatsächlich nicht an innovativen, zum Teil bereits erfolgreich umgesetzten Ideen fehlt, machte die hochkarätig besetzte Referentenrunde deutlich.  Das große Ganze hat sich dabei der Verein "Ingenieure retten die Welt“ auf die Fahne geschrieben, den dessen Kommunikationschef Peter Niesing vorstellte. Niesing, Ingenieur bei dem Ingenieurs- und Beratungsunternehmen PEM Motion, einer Ausgründung des PEM Lehrstuhls der RWTH Aachen, präsentierte ganz nach dem Motto "Think big – Start small“  aber auch ungewöhnliche Projekte auf dem Gebiet der Mobilität, die "im Kleinen" bereits praktiziert werden. Wie "schöner Wohnen“ und ressourcenschonendes Bauen in Zeiten des Klimawandels funktionieren kann, belegte der Architekt Gerhard Greiner unter anderem am Beispiel des Aktiv-Stadthauses in Frankfurt. Der zunehmende Strombedarf könne einfach und kostengünstig mit der Sonne erzeugt werden. Davon zeigte sich Dr. Holger Krawinkel, Leiter der Stabsabteilung Costumer Experience und Innovation bei dem Mannheimer Energieunternehmen MVV Energie AG, überzeugt. Hannah Helmke von dem jüngst ausgezeichneten Frankfurter Start up right. based on science skizzierte kenntnisreich, wie Nachhaltigkeit und die Auswirkungen auf das Klima präzise in Zahlen nachgewiesen werden können. 

Loslegen und nicht resignieren

Ihr geradezu prophetischer Aufruf, sich die Welt in 20 Jahren ohne wirkliche Veränderungen zum Schutz des Klimas vorzustellen, beeindruckte Publikum und Bischof gleichermaßen. Zustimmung äußerte Georg Bätzing auch zu den Appellen aller Referenten, den Fokus auf das „Loslegen“ zu richten, „sich an die eigene Nase zu fassen“ und Schritt für Schritt im Alltag aktiv zu werden. „Nicht sitzenbleiben und nicht resignieren“, sei das Gebot der Stunde, schloss er sich dem an. Dass der Klimaschutz für die Kirche kein Modethema sei, hatte der Bischof bereits in seinem Grußwort zu Beginn der Veranstaltung unterstrichen. Seit Jahrzehnten seien kirchliche  Gruppierungen, Verbände und Institutionen hoch aktiv im Bereich von Frieden, Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung. Was hier bereits an konkreten Maßnahmen und Veränderung des Bewusstseins angeregt worden sei, könne sich sehen lassen und sei höchste Achtung wert. Jetzt aber dränge die Thematik eminent und es sei deutlich spürbar, „dass unsere Verantwortung gefordert ist, Verabredungen miteinander zu treffen und konkrete Schritte einzuleiten, die uns Menschen und dieser Erde Zukunft sichern.“

Das Forum Wirtschaft wird veranstaltet vom Sozialpolitischen Arbeitskreis des Bistums Limburg.

© Reichwein/Bisctum Limburg
Grußwort Bischof Bätzing auf dem Forum Wirtschaft