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Da sein für Patienten und Mitarbeiter

Da sein für Patienten und Mitarbeiter
Da sein für Patienten und Mitarbeiter

Pfarrer Matthias Struth ist Leiter der kath. Klinikseelsorge an den Unikliniken in Frankfurt. Geneinsam mit seinem Team gehört es zu seinem Alltag, Menschen zu begleiten, deren Lebensentwurf von einer Krankheit infrage gestellt wurde. In Zeiten von Corona ist dies noch notwendiger, aber auch schwieriger denn je.

Der erwartete große Anstieg bei der Anzahl der Covid-19-Erkrankten ist Gott sei Dank ausgeblieben. Wie sieht die Krankenhausseelsorge aktuell in Frankfurt aus?

Der große befürchtete Ansturm von COVID19-Patienten ist in der Tat ausgeblieben. Die klaren Maßnahmen durch die Entscheidungsebenen und der verantwortungsbewusste Umgang durch die Mehrheit der Gesellschaft haben dazu sicherlich beigetragen. Doch sollte das nicht darüber hinwegtäuschen, dass täglich auf den Intensivstationen Patienten und die Behandlungsteams um deren Gesundheit und zum Teil das Überleben kämpfen. Es gibt weiterhin Neuinfektionen und täglich müssen schwerkranke COVID-Patienten in den Krankenhäusern aufgenommen und behandelt werden.

In den letzten Wochen haben die Krankenhäuser ihre Bereiche klar in COVID und NON-COVID-Bereiche getrennt. Aufgrund der Gefahr der Übertragung ist es nicht möglich, dass außer dem Behandlungsteam jemand zu den COVID-Patienten kann. Wir haben im Uniklinikum eine Seelsorge-Hotline für COVID-Patienten eingerichtet, unter der kommunikationsfähige COVID-Patienten zu bestimmten Zeiten übers Telefon seelsorglich begleitet werden können. Allerdings gibt es wenig COVID-Patienten, die in der Lage sind, zu telefonieren. Wir bereiten uns darauf vor, dass COVID-Patienten, wenn sie von der Beatmung genommen werden können, sich bei uns melden.

Für die sogenannten NON-COVID-Patienten stehen wir in gewohnter Weise zur Verfügung. Wir gehen von der Seelsorge nicht proaktiv auf die Patienten zu, begleiten jedoch jene, die zu uns direkt oder über das Pflegepersonal Kontakt suchen, und das im persönlichen Kontakt aber mit dem entsprechenden Abstand. Oft sind es Angehörige, die sich bei uns melden, weil sie die Patienten nicht besuchen können und uns bitten, ihre Lieben zu besuchen. Angehörigenkontakte haben wir fast ausschließlich übers Telefon.

Worin sehen Sie die größten Veränderungen in den Krankenhäusern und welche Konsequenz hat dies für die Seelsorge?

Aktuell sind die größten Veränderungen darin zu sehen, dass deutlich weniger Patienten in den Krankenhäusern sind. Behandlungen, die nicht dringend sind, wurden verschoben. Einschneidend ist, dass Patienten keinen Besuch von Ihren Angehörigen haben können. Gerade hier ist es wichtig, dass wir von der Seelsorge für die Patienten, die uns brauchen da sind. Auch weiterhin gibt es neben den COVID-Patienten andere Schwerkranke. Oft sind wir neben dem Behandlungsteam die einzigen, die ihnen persönlich begegnen. Sterbende NON-COVID-Patienten können von Angehörigen besucht werden. Als Seelsorge stehen wir ihnen auf deren Wunsch hin zur Seite.

Nehmen Sie bei dem Krankenhauspersonal eine große Anspannung war und sind Sie nun stärker mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in Kontakt?

Auch in „NON-COVID-Zeiten“ ist es ein großes Anliegen der Seelsorge für das Personal ansprechbar zu sein. Wir machen regelmäßig unsere Runden über die Stationen und stehen dem Personal zum Gespräch zur Verfügung. Leider können wir aufgrund der klaren Trennung der Bereiche derzeit keinen Kontakt zu den Behandlungsteams auf den COVID-Stationen halten. Bei den Behandlungsteams auf den COVID-Stationen ist sicherlich die Anspannung am größten und wir bedauern es, den Kontakt nicht haben zu können. Ich glaube, dass jene, die dort im für uns Verborgenen arbeiten, die wirklichen Heldinnen und Helden in dieser Krise sind. Jeden Mittag um 12 Uhr beten wir für sie und die Patienten. Wir haben dies über die klinikinternen Medien veröffentlicht und die Rückmeldungen bekommen, dass uns andere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Klinikums dabei unterstützen.

Mehr Informationen hier https://kath-seelsorge-uniklinik-ffm.de/

Wie geht es Erzieherinnen und Erziehern in der Notbetreuung? Mit welchen Gefühlen tritt ein Krankenhausseelsorger seinen Dienst an? Was macht ein Kirchenmusiker, wenn Chorproben und Gottesdienste ausfallen? Und wie organisieren Seelsorgerinnen und Seelsorger die Pastoral vor Ort? Das Bistum Limburg will mit einer neuen Reihe von Kurzinterviews einen Einblick in den Alltag von Menschen in Zeiten von Corona eröffnen.  Alle Beiträge finden Sie auf unserer Themenseite: https://bistumlimburg.de/thema/drei-fragen/