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Christmas abroad

Wie Freiwillige im Ausland die Weihnachtszeit erleben
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Weihnachten mal anders: Theresa Unverricht (vierte v.r.) feiert dieses Jahr auf den Philippinen. © Theresa Unverricht

Krippenspiele, Christmetten und Geschenke unter dem Weihnachtsbaum – diese und viele weitere Bräuche gehören zu einem Weihnachtsfest in Deutschland dazu. Doch wie sieht es in anderen Ländern aus? Derzeit befinden sich fünf junge Menschen aus dem Bistum Limburg in Italien, Sambia und auf den Philippinen. Sechs junge Personen aus Sambia, Bosnien und Herzegowina und den Philippinen sind aktuell in Deutschland. Sie alle machen einen Freiwilligendienst. Wie sie die Weihnachtszeit im Ausland erleben und ihr Weihnachtsfest verbringen werden, erzählen drei Freiwillige im Interview.

© Chanda Mulenga Chanda Mulenga aus Sambia am Limburger Bahnhof.
© Chanda Mulenga Chanda Mulenga aus Sambia am Limburger Bahnhof.

Chanda Mulenga aus Sambia arbeitet als Freiwillige in der Kita St. Josef in Flörsheim in einer Gruppe für drei bis sechsjährige Kinder. Sie wohnt bei einer deutschen Gastfamilie in Flörsheim, in der Nähe von Frankfurt.

Warum bist du in Deutschland?

Ich möchte neue Dinge über das Leben lernen, meine Komfortzone verlassen und die Welt aus einer anderen Perspektive kennenlernen. Mir ist auch wichtig, meine Werte, Zeit und Kultur zu teilen, aber auch durch eine andere Kultur zu wachsen.

Wie erlebst du die Vorweihnachtszeit?

Ich erlebe in der Vorweihnachtszeit in Deutschland eine Reihe von neuen Dingen, wie zum Beispiel den Nikolaustag, den Adventskalender und die Weihnachtsmärkte, auf denen die Menschen Zeit mit ihren Familien und Freunden verbringen, sich unterhalten und die Musik und die Atmosphäre genießen. Ganz besonders ist für mich der Adventskalender mit all seinen Überraschungen Tag für Tag, während wir voller Vorfreude auf die Geburt Christi zusteuern.

Wie verbringst du Weihnachten in Deutschland?

Ich feiere Weihnachten dieses Jahr mit meiner Gastfamilie hier in Deutschland. Wir werden zusammen essen und ich lerne ihre Familientraditionen kennen. Abgesehen von den neuen Dingen wie den Weihnachtsmärkten, glaube ich, dass mein Weihnachtsfest sich nicht stark von dem, was ich kenne, unterscheiden wird. Denn ich bin hier in einer Familie zu Gast, die die gemeinsame Zeit und die Bedeutung von Weihnachten genauso schätzt wie ich. Obwohl ich auch wirklich gerne bei meiner Familie wäre.

Inwiefern unterscheidet sich das Weihnachtsfest dieses Jahr von dem, wie du es sonst kennst?

Dass Weihnachten eine Zeit ist, in der wir mit der Familie zusammen sind, die Geburt Christi in unseren Herzen begrüßen, uns versöhnen und fröhlich sind, ist definitiv eine Gemeinsamkeit. In Sambia machen wir das, indem wir täglich in die Kirche gehen und den Tag mit Adventthemen beginnen. Wir wollen den Kindern beibringen, wie man Advent feiert. Bei uns ist auch wichtig, weniger privilegierte Menschen zu besuchen, um die Weihnachtsstimmung mit allen zu teilen. Wir feiern auch viele Partys, auf denen wir essen, trinken, tanzen, auf das Jahr zurückblicken und gemeinsam hoffnungsvoll in die Zukunft schauen. 

© Theresa Unverricht Alleine ist Theresa Unverricht nicht, sie hat vor Ort schon einige Freundschaften geschlossen.
© Theresa Unverricht Alleine ist Theresa Unverricht nicht, sie hat vor Ort schon einige Freundschaften geschlossen.
© Theresa Unverricht Theresa Unverricht genießt die Zeit auf den Philippinen.

Theresa Unverricht ist als Freiwillige in einer Schule auf den Philippinen tätig. Dort unterstützt sie zwei Lehrer, die eine Klasse für Kinder und Jugendliche mit Beeinträchtigungen unterrichten.

Was sind deine alltäglichen Aufgaben?

Unsere Klasse ist nach Alter und Beeinträchtigung bunt gemischt. Es werden keine normalen Fächer unterrichtet, sondern nur die Basics. Die Schüler lernen Farben und Zahlen kennen oder den eigenen Namen zu schreiben, mehr ist einfach auch oft nicht drin. Meistens stehen Spielen, Rumtoben und Malen eher auf dem Stundenplan, um auch die Motorik der Kinder zu verbessern. Oft machen wir einfach nur das, worauf wir Lust haben und gestalten jeden Tag nach unseren eigenen Wünschen. Bei gutem Wetter machen wir draußen Sport oder Gartenarbeit. Somit verbringe ich den ganzen Tag in der Schule.

Wie erlebst du die Vorweihnachtszeit auf den Philippinen?

Die Vorweihnachtszeit startet hier schon im September: Man stimmt sich sozusagen vier Monate auf Weihnachten ein. Seit Ende Oktober hängt die Weihnachtsdeko so gut wie überall und alles blinkt in verschiedenen Farben. Nach meinem Geschmack etwas zu viel Deko. Je näher Weihnachten rückt, desto mehr Weihnachtsfeiern gibt es. Teilweise sind wir fast jeden Tag irgendwo eingeladen. Christmas Party bedeutet hier eigentlich nur gemeinsam essen und Karaoke singen. Eine weitere typische Sache ist das "Caroling": Kinder und Jugendliche gehen von Haus zu Haus und singen Weihnachtslieder vor. Dafür bekommen sie Geld oder Süßigkeiten. Neun Tage vor Weihnachten starten die "Dawn-Messen", das heißt täglich zu Tagesanbruch um 4.30 Uhr Gottesdienst.

Wie verbringst du dieses Jahr Weihnachten?

Ich feiere dieses Jahr auf den Philippinen Weihnachten, zusammen mit meiner Gastfamilie und meiner eigenen Familie, die kommen mich besuchen. Die weihnachtliche Stimmung ist hier aber irgendwie anders. Aus Deutschland bin ich es gewohnt, dass sich im Dezember alles um Weihnachten dreht, man fängt an Weihnachtslieder zu hören, Plätzchen zu backen und zu schmücken. Dadurch, dass die Weihnachtszeit hier aber so lange ist, verläuft sich das alles ein bisschen und zieht sich. Ich bin auf jeden Fall noch nicht in Weihnachtsstimmung. Das kann aber auch einfach nur daran liegen, dass Hochsommer ist und das typische deutsche Weihnachtsessen fehlt. Aber ich freue mich total und bin sehr aufgeregt, weil einfach so viel Neues passiert. Es ist einfach total spannend!

© Ana JuricAna Juric (r.) aus Sarajewo macht einen Freiwilligendienst in Deutschland.
© Ana JuricAna Juric (r.) aus Sarajewo macht einen Freiwilligendienst in Deutschland.

Ana Juric aus Bosnien und Herzegowina ist zurzeit als Freiwillige in der katholischen Fachstelle für Jugendarbeit in Montabaur. Dort hat sie verschiedene Aufgaben, beispielsweise plant sie Aktionen für Jugendliche und stellt Material zusammen. In ihrer Freizeit lernt die Freiwillige Deutsch und macht Hausaufgaben. 

Warum bist du im Ausland?
Nach dem Abitur wusste ich nicht, an welcher Uni ich mich einschreiben sollte. Deshalb wollte ich diese Freizeit in etwas Nützliches investieren. Durch den Austausch möchte ich neue Erfahrungen sammeln und eine andere Sprache lernen, was ja immer ganz nützlich sein kann. Außerdem möchte ich Zeit haben, um zu entscheiden, was ich in Zukunft machen möchte. Ich denke, durch die Zeit in Deutschland kann ich auch viele soziale Methoden lernen, die ich mit in meine Gemeinde in Bosnien und Herzegowina nehmen kann.

Wie erlebst du die Vorweihnachtszeit?
Weihnachten ist für mich eine ganz besondere Zeit des Jahres. Ich genieße die Kälte draußen und die Wärme im Haus. Die Weihnachtsmärkte haben mir sehr gut gefallen, auch wenn wir in Bosnien ähnliche haben. Ich mag vor allem das gute Essen und den heißen Wein. Außerdem treffe ich jetzt in der Vorweihnachtszeit die andere Hälfte meiner Gastfamilie, was sehr spannend für mich ist.

Inwiefern unterscheidet sich die Weihnachtszeit in Bosnien von der in Deutschland?
Es gibt keine großen Unterschiede zwischen Weihnachten in Bosnien und Weihnachten in Deutschland. Die Kulturen, das Klima und bestimmte Traditionen aus Deutschland sind in Bosnien ähnlich. Aktuell verbringe ich viel Zeit mit meiner Gastfamilie. Aber an Weihnachten selbst werde ich zu meiner Familie nach Bosnien fahren, um mit ihnen die Weihnachtstage zu feiern.

Fachstelle Freiwilligendienste
Seit 29 Jahren bietet die Fachstelle Freiwilligendienste im Ausland an. Als erfahrener Träger von Freiwilligendiensten ist die Fachstelle eine anerkannte Entsendeorganisation im Rahmen verschiedener Förderprogramme. Weitere Informationen gibt es unter www.soziale-dienste.net, telefonisch unter 06433 / 887-60 oder per E-Mail an soziale-dienste@bistumlimburg.de.